Lieber in Aktien oder ETFs investieren?

Aktie oder ETF

Von vielen Lesern erhalte ich immer wieder die Frage: „Hava, ich will an der Börse anfangen – Soll ich lieber ETFs oder Einzelaktien kaufen?

Eine sehr interessante Frage, wie ich finde, die man pauschal nicht so einfach beantworten kann. Dann wäre es ja auch langweilig! Deshalb möchte ich der Frage im heutigen Blogartikel tiefer auf den Grund gehen. Aber, lasst uns mit den Basics starten.

Was ist ein ETF?

ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund. Es handelt sich um ein börsengehandelter Indexfonds. Ein ETF bildet die Wertentwicklung eines bestimmten Index ab, z.B. den DAX. Sie werden, wie Aktien auch, an der Börse gehandelt. Man kann sich das grob so vorstellen: In einem ETF sind verschiedene Unternehmen enthalten, wie in einem Fond. Aber: Es gibt keinen Fondsmanager, der den Fonds verwaltet (also Aktien kauft und verkauft). Der passive Fonds folgt immer einem Index. Das heißt: Die kosten für den Fondsmanager entfallen, da keine aufwendigen Analysen etc. für den Zu- und Verkauf nötig sind. Um den Index abzubilden wird auf verschiede Replikationsmethoden zurückgegriffen (z.B. physisch, synthetisch etc.). ETFs sind meist sehr breit aufgestellt, beinhalten also Unternehmen aus verschiedensten Branchen und Ländern.

ETFS werden von sehr vielen Bloggern und unabhängigen Finanzberatern empfohlen. Mittlerweile gibt es unglaublich viele ETFs für all die verschiedenen Indexe der Welt und darüber hinaus (Technologie, Industrie 4.0, S&P 500 etc.)

Was sind Aktien?

Aktien sind Anteile an einem bestimmten Unternehmen, welches an der Börse gelistet ist. Die Unternehmen, die Aktien ausgeben haben sind Aktiengesellschaften in ihrer Rechtsform. Die Unternehmensanteile sind an der Börse handelbar. Als Anteilseigner eines Unternehmens wird man regelmäßig zur Aktionärshauptversammlung eingeladen und hat als Anteileigner auch ein Stimmrecht. Aktionäre sind immer am Eigenkapital investiert.

Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Aktie und ETF?

ETFAktie
DiversifiziertKeine Diversifikation
Keine Stimmrechte Stimmrecht Teil der Aktieninhaberschaft
Bildet einen Index nachOrientiert sich am Markt
Möglichkeiten zu SparplänenVereinzelt Möglichkeiten zu Sparplänen
Weniger InformationsbedürftigStärkere Informationsbedürftigkeit
Weniger Transparent (je nach ETF)Transparent, da nur eine Aktie
Laufende KostenInitiale Kosten
Eigene Darstellung

Vorteile und Nachteile von ETFs

Ok und nun? Aktie oder ETF? Vorteile von ETFs sind, dass diese in der Regel schon sehr breit diversifiziert sind und man so sein Risiko deutlich mindert. Gleichzeitig bilden sie einen bestimmten Index ab – auch das mindert das Risiko, nimmt aber natürlich auch die Chance auf eine Outperformance. Bei nahezu allen ETFs hat man die Möglichkeit automatisierte Sparpläne einzurichten – da läuft das investieren ganz von allein. Das ist natürlich auch mit laufenden Kosten verbunden. Diese machen in der Regel 0,1 – 0,5% der Rendite des ETFs aus. Die Einmalkosten, wie z.B. Ordergebühren, fallen für ETFs jedoch meist günstiger aus als bei Aktien.

Wenn man einen ETF kauft ist man nicht direkt stimmberechtigt für die im ETF enthaltenen Unternehmen und wird nicht zur Hauptversammlung eingeladen. Diese hat in der Regel der Fondsverwalter, der den ETF initial aufgesetzt hat (natürlich abhängig von der Form des ETFs ob synthetisch oder physisch).

Vorteile und Nachteile von Aktien

Vergleicht man eine Aktie mit einem ETF ist natürlich eine Sache sehr unterschiedlich: Die Diversifikation. Beim Kauf einer Aktie haben wir keinerlei Diversifikation, die jedoch beim Kauf von ETFs oder Fonds von Beginn an gegeben sind. So hat man ein höheres Risiko – das jedoch auch eine Chance sein kann. Denn eine Aktie hat die Möglichkeit den Index zu schlagen, da sie sich nicht nur an einem Index orientiert und von der Performance anderer Unternehmen ausbalanciert wird. Nehmen wir die Corona Krise als Beispiel: Insgesamt mag der DAX als Index in den Keller gegangen sein und somit auch ein ETF der den DAX abgebildet hat, während einzelne Unternehmen wie Teamviewer auf Grund der Home-Office Situation in die Höhe gestiegen sind.

Es gibt Möglichkeiten auch Aktien in Sparplänen zu erwerben und so peau á peau ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Allerdings nicht bei jedem Broker.

Wenn man in Aktien investiert weiß man immer in was man investiert. Es handelt sich ja schließlich um ein einziges Unternehmen – das ist bei ETFs anders. Dort investiert man in sehr viele Unternehmen (Stichwort ein MSCI World ETF beispielsweise). Das macht das Ganze deutlich intransparenter.

In ein einziges Unternehmen zu investieren erfordert bei der Auswahl der Aktien jedoch einen hohen Zeitaufwand: Eine vernünftige Analyse und die Auseinandersetzung mit dem Unternehmen sind beim erfolgreichen Aktienkauf das A und O. Der Zeitaufwand sollte hier nicht unterschätzt werden.

Performance ETF vs. Aktien

Soweit so gut, aber wie unterscheiden sich ETFs und Aktien eigentlich in der Performance? Was performt besser: Aktien oder ETF? Lasst uns dafür auf den Corona Tiefpunkt in diesem Jahr schauen. Hier wurden einige Analysen zur Performance von ETFs und Aktien vorgenommen. Wenn man sich die vergangenen Wochen an der Börse ansieht, kann man erkennen, dass Einzelaktien einer deutlich stärkeren Volatilität ausgesetzt waren als ETFs. Es gab an den Aktienmärkten vereinzelt Gewinner wie beispielswiese Amazon, aber natürlich auch starke Verlierer wie beispielsweise die Lufthansa.

Ein ETF, der den DAX abbildet und auch Lufthansa Aktien enthalten hat, ist insgesamt nie so stark abgefallen, wie die Einzelaktie. Warum? Der ETF ist von Beginn viel breiter gestreut. In diesem Fall, konträr zum Teamviewer Beispiel, kann man sagen „zum Glück“ wurde ein Index abgebildet, denn die Lufthansa Aktie hat massiv abgenommen.

Wie Du siehst: Ja mit Aktien kann man outperformen und somit den Index schlagen – wenn man eben diese Outperformer findet und auch im Depot hat. Wenn man jedoch nur wenige solide Titel hat, zeigt sich, dass die Abbildung eines Index mit hoher Diversifikation eine höhere Rendite bringt.

Meine persönliche Handhabung

Wie mache ich das Ganze? Ich habe mit ETFs an der Börse gestartet und mir ein Portfolio von verschiedenen ETFs zusammengestellt, die ich monatlich bespare. Das Portfolio besteht aus Indizes mit unterschiedlichem Risiko. Ich investiere in breit gestreute Indizes, aber auch sehr spezifische Indexfonds in deren Märkten ich mich gut auskenne (Stichwort Technologie und Digitalisierung) und Indizes, die europäische Anleihen abbilden.

Mit der Zeit habe ich angefangen mit angesparte Parcels (á 1.000€) auch einzelne Aktientitel zu kaufen, weil es mir persönlich sehr viel Spaß macht Unternehmen zu analysieren und direkt beteiligt zu sein. So versuche ich aber auch hier die Titel breit zu streuen – das dauert jedoch viel länger, als wenn ich monatlich in ETFs spare. Aktien zu analysieren, auszuwählen und das Portfolio breit zu streuen ist eine deutlich zeitintensivere Angelegenheit als ETFs. Wenn ihr euch also nicht so gut auskennt und wenig Zeit habt, ist wahrscheinlich die Auswahl von ETFs und Fonds einfacher und von Anfang an diversifizierter. Ich sehe beides als langfristige Anlage und mische das Ganze – einfach, weil ich eben der Typ dafür bin und auch gerne in einzelne Werte reinblicke 🙂

Was passt zu wem?

Aktie oder ETF, was nun? ETFs sind meiner Meinung nach, eine Anlage für diejenigen, die sich nicht kontinuierlich viele Gedanken machen wollen in was sie investieren, sondern initial gerne einmal aufsetzen und dann immer mal wieder ein Rebalancing durchführen. Für diejenigen, die gerne selbst, ohne Berater, anlegen möchten, aber nicht viel Zeit haben. Zu beachten ist, dass man dafür auch laufende Kosten bezahlt. Wenn man beispielsweise 10.000 € in einen ETF angelegt hat bei dem die laufenden Kosten z.B. bei 0,3% im Jahr liegen, dann sind das 30€ im Jahr. Die Fondkosten werden von der Gesamtrendite abgezogen.

Einzelaktien passen meiner Meinung nach zu Anlegerinnen und Anlegern, die Spaß und Zeit daran haben, sich mit den Unternehmen, von denen sie Anteile erwerben wollen, intensiv auseinander zu setzen. Heißt: Geschäftsmodell verstehen, Stärken, Schwächen, Risiken, Chancen und Zukunftsfähigkeit zu analysieren. Außerdem sollte man sich viel mehr Gedanken über die Diversifikation seiner Investitionen machen. Aber, wenn Du einen guten Riecher hast für deine Depot Zusammenstellungen hast, dann hast du hier die Möglichkeit den Markt zu schlagen.

Fazit

Wie alles im Leben ist nichts schwarz und weiß. ETFs haben Vorteile, Aktien auch. ETFs haben Nachteile, Aktien auch. Wichtig ist eher, dass Du dein Geld anlegst und im Besten Fall möglichst früh, um vom Zinseszins Effekt zu profitieren. Ob Du eher der Typ für ETFs oder Aktien bist, oder auch für ganz andere Anlageformen musst du für dich herausfinden und ausprobieren. Es spricht überhaupt nichts dagegen verschiedene Wertpapieranlagen miteinander zu mischen, so wie ich das tue.

ETFs und Aktien sind natürlich nicht die einzigen Anlagemöglichkeiten, die auf der Welt existieren – da gibt es noch sehr viel mehr spannende Dinge, die in diesem Artikel gar nicht abgedeckt sind. Interessieren dich auch andere Wertpapier Anlagen? Hinterlass mir gerne ein Kommentar!

Und was ist dein Favorit? ETFs oder Aktien?

Liebste Grüße

Hava

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9 Kommentare

  1. Naja vom Zinseszinseffekt profitiert man ja auch bei Aktien, wenn man die Dividenden reinvestiert.

    Ein Index stellt immer einen Durchschnitt dar. D.h., dass immer genau 50% der Anleger eine bessere Rendite erwirtschaften und 50% eine schlechtere Rendite erwirtschaften.
    Durch ein ETF Investment sichert man sich dadurch genau die Rendite eines Durchschnittlichen Investors. Wenn man bedenkt, wie viele Profis wie z.B. Institutionelle Anleger unterwegs sind finde ich es nicht schlecht, dass man sich als einfach Privatinvestor genau diese Durchschnittsrendite sichern kann. Daher bin ich ein großer Fan von ETFs 🙂

  2. Hallo Hava,
    ein wohltuend ausgewogener Artikel.
    Ich halte wenig bis nichts von ETF mit wenig Wissensgrundlagen. Man sollte sein sauer verdientes Geld nur in etwas investieren, was man wirklich versteht. 800 Unternehmen im ETF kann niemand verstehen. In meinem Blog werden Einzelaktien analysiert und dargelegt und derjenige kann sich gezielt in 20 bis 30 Aktien einkaufen und hat damit seinen eigenen Fonds, den er allerdings “versteht”. Nicht böse gemeint .. ETF sind für (junge) Leute, die keinerlei bis kaum Ahnung von Aktien und Börse haben …… ein ETF ist nichts anderes als ein Aktienpaket, das man allerdings nahezu nicht versteht … und dann sollte man generell nicht investieren … sagt der gesunde Menschenverstand ..
    Aber wie gesagt … ist meine Meinung und nicht böse gemeint.
    Schöne Grüße
    Uwe

  3. Ich habe beides, Aktien und ETFs. Vergleiche ich beide, kommt es etwa auf gleiche raus. Gute Aktien + schlecht laufende Aktien = mittelmäßige Rendite. Die habe ich mit ETFs auch. Unterm Strich bleiben dann auf Seiten der ETFs die niedrigeren Kosten. Fazit: Mit ETFs fahre ich besser.

  4. Aktienmarkt? Nur als covered calls, oder wer will die Drawdowns immer aushalten? Tage wie gestern (abgesehen vom frisch erlebten Bärenmarkt) zeigen die Schwächen einer long-only Strategie. Bei ETFs kommt noch das Emittenten-Risiko hinzu.

    Der Tag wird kommen, an dem das Vertrauen in die Zentralbanken kippt und die Blase platzt, wer will dann ohne Hedge (für den man auch noch bezahlt wird) investiert sein?

    Viel Erfolg,

    Sandra Margin

  5. Hallo,

    ich oute mich fairerweise als Sandra-Fraktion (Hedging) und habe mir letzte Woche schon erlaubt, Werbung zu machen:

    “Und Ihr wundert Euch, warum Sandra lieber hier femance.com/aktien-oder-etf-2/#comments schreibt? Schönes Wochenende!!!”
    Nachzulesen hier:
    https://de.investing.com/indices/germany-30-commentary?comment=362500#362546

    Ich finde den Blog prinzipiell gut gemacht und hochwertig und es ist sicherlich richtig, den Leuten das Thema vernünftig nahezubringen. Was mir leider so ziemlich überall zu kurz kommt, ist eine neutrale Risikobewertung (keine Panikmache) und entsprechende Absicherung.

    Viele Leute haben Angst vor Aktien, gerade weil so viele Leute mit ihrer long-only Strategie über Jahrzehnte so große Verluste gemacht haben. Und ich kann keinen Sinn darin erkennen, alle paar Jahre wieder 50% Depotverlust zu machen.

    Sandras covered calls sind eine Hedging-Möglichkeit, erfordern aber auch ein Margin-Konto. VIX, Optionen o.ä. wären weitere Möglichkeiten, ein Depot abzusichern. Niemand würde ein Haus unversichert lassen, wieso dann Aktien?

    Ich fände es förderlich, so etwas intensiv(er) zu besprechen und bin sicher, daß die Leute spätestens dann dankbar sind, wenn ihnen Verluste erspart blieben.

    Wenn es also Recht ist, kann ich hier auch ab und zu meinen Senf dazugeben – in der Hoffnung auf gute Umgangsformen, auch bei den Kommentaren.

    Alles Gute,

    Irina

  6. Hallo,

    danke erstmal für den guten Beitrag. Ich selber habe Aktien wie ETFs, halte aber ETFs für Einsteiger für die bessere Variante, oder eben auch für Leute, die Rendite machen möchten, sich aber nicht intensiv mit Unternehmen und deren Aktien beschäftigen möchten, wegen dem Zeitfaktor. Jeder der muss sich selbst im klaren sein, was er erreichen möchte und was er bereit ist dafür zu bezahlen, in Zeit und Risiko.

    Gruß Stefan

  7. Super Artikel! Das Thema ist extrem spannend, das wird so häufig gefragt. Ist am Ende wie du sagst eine reine Typ-Frage: Ich investiere (trotz Finanzbackground) überwiegend in ETFs.

    Das liegt daran, dass ich nicht glaube langfristig die Märkte schlagen zu können. Ein paar Einzeltitel habe ich aber auch im Portfolio, das sind dann Unternehmen, zu denen ich eine besondere Bindung habe (und die nachhaltig sind) 🙂

    Danke dir in jedem Fall für den Artikel, tolle Anleitung für Einsteiger!!!

    Cheers,
    Carlos von Beyond Saving

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