Lieblings-Finanzserie „Bad Banks“: Wie real ist der TV-Hit?

Bad Banks

Einige Blogger stellen zu Beginn des Jahres meist ihre Lieblings Finanzbücher, die sie für das Jahr 2020 empfehlen, vor. Ich möchte das heute davon abweichen und von Buch zu TV wechseln. Gerne möchte ich euch deshalb eine meiner Lieblings-Finanzserien vorstellen, die im Februar in die zweite Runde geht: Bad Banks! Bad Banks wurde 2018 als deutsche Produktion erstmalig im ZDF und auf Arte ausgestrahlt und zeigt eine Geschichte über Macht und Intrigen in der Welt des Investmentbanking. Im Mittelpunkt steht eine junge, ehrgeizige und clevere Frau, Jana Liekam, die in einer luxemburgischen Großbank gefeuert wird. In diesem Zuge geht sie zur Global Invest nach Frankfurt, ebenfalls einer großen Bank. Dort wird ihr relativ schnell ein großes Projekt zur Finanzierung der Stadt Leipzig zugeteilt, was in einem von neidgeprägtem Kollegenkreis nicht so einfach ist. Gleichzeitig möchte ihre alte Chefin von Jana Insider Informationen, weil sie ihr beim Jobwechsel von Luxemburg nach Frankfurt geholfen hat, versteht sich. 

Natürlich hat mich die Serie sofort gepackt, weil: A.) Finanzen und B.) wirklich spannend und cool aufgesetzt – was man von deutschen Fernsehserien meist nur weniger kennt. 

Bad Banks Trailer Staffel 1

In Bad Banks überschlagen sich die Handlungen quasi im Minutentakt, was die Spannung wirklich durchgehend hoch hält. Die erste Staffel ist bereits zwei Jahre alt und kann ich wirklich nur empfehlen – die zweite Staffel folgt nun endlich in diesem Februar! Bevor wir in ein paar Wochen aber die zweite Staffel „durch-suchten“, habe ich mir eine Frage gestellt (die man sich wahrscheinlich weniger stellen sollte): Wie echt und real ist Bad Banks eigentlich? Welche Parallelen zur Finanzkrise 2008 gibt es wirklich und geht es in der Investmentbranche WIRKLICH so dubios zu? 

Da hilft nur der #Femance Reality Check: 

1. Die Hintergrund Story: Finanzcrash und Bankenkrise: 

Die Deutsche Global Invest, bei der Jana als Investmentbankerin arbeitet, soll als Bank nach der Finanzkrise wieder groß werden, in welcher das Institut stark gelitten hatte. Ihr wird die Finanzierung des Städtebauprojekts Leipzig 2025 übertragen. Bei ihrer Arbeit findet Sie heraus, dass ihr ehemaliger Arbeitgeber, die Credit International und ihr jetziger Arbeitgeber, die Deutsche Global Invest fusionieren möchten und ihre ehemalige Chefin heiß auf den Chefposten ist. Jana nutzt das Wissen über die Fusion und der damit einhergegangen Bilanzfälschungen für sich und stürzt die Deutsche Global durch einen Leak in eine große Krise. Der Staat rettet die Bank in dem er sie zwangsfusioniert, wodurch Janas Team mit illegalem Insiderhandel Millionen verdienen. 

Diese Story erinnert uns stark an den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank. 2001 wurde die Dresdner Bank an die Allianz AG verkauft, nachdem Fusionsversuche mit der Commerzbank gescheitert waren. 2008 gab die Allianz bekannt, dass die Dresdner Bank für 9,8 Milliarden € an die Commerzbank verkauft werden soll. Die Commerzbank konnte die Dresdner Bank nun übernehmen, weil sich der Wert rapide verringerte, nachdem die Bank Teil der Allianz wurde. 

Im Geschäftsjahr 2008 meldete die Dresdner Bank einen Verlust von 6,3 Milliarden Euro, vor allem im Investmentbanking. In Mitten der Finanzkrise muss auch hier der Staat unterstützen. 

Hier gibt es einige Parallen zu Bad Banks, vertuschte Verluste in der Bilanz für eine geplante Fusion, die in eine Krise führt und vom Staat unterstütz werden muss.

Für den Realitätscheck der Story gebe ich 4/5 Punkten

2. Arbeitsleben als Investmentbanker

Lange, gierige, koksige und gefährliche Arbeitstage und -nächte – so wird das Arbeitsleben von Jana und ihren Kollegen in Bad Banks dargestellt. Geprägt von Neid und einem unheimlichen Konkurrenzkampf wird hier Tag und Nacht durchgearbeitet. 

Dieses Klischee hält sich bei Investmentbankern leider immer noch. Erst 2013 stirbt ein 21-jähriger Investment Banking Praktikant in London in Folge der harten Arbeitsbedingungen und des Schlafentzugs. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Druck in der Branche, in der täglich mit Millionen oder sogar Milliarden hantiert wird, enorm hoch ist und dadurch viel und hart gearbeitet wird – ähnlich wie in Bad Banks. Um die Leistung zu halten, kann es sein, dass einige auch zu aufputschenden Mitteln greifen. 

Dennoch ist der Arbeitsalltag in Bad Banks an der ein oder anderen Stelle sehr überspitzt dargestellt – sicherlich überschlagen sich nicht täglich die wirtschaftlichen und politischen Ereignisse, wie es in Bad Banks der Fall ist. Auch langweiligere Börsenphasen gehören zum Alltag des Investmentbankers. 

Der Realitätsfaktor für den Arbeitsalltag: 3/5 Punkten

3. Schauplatz Frankfurt und Luxemburg

Frankfurt wird liebevoll auch Mainhatten genannt. Die imposanten Banktürme werden in Bad Banks immer wieder eingeblendet. Jana fährt mit ihrem Auto zwischen den hohen Türmen zu ihren Terminen und man hat das Gefühl, man sei ein bisschen in New York City. 

Frankfurt bei Nacht

Frankfurt ist einer der wichtigsten Finanzplätze weltweit und zeigt eine hohe Konzentration von Unternehmen in der Finanzbranche. Somit der perfekte Schauplatz für eine Serie wie Bad Banks. Auch Luxemburg ist bekannt als wichtiger europäischer Finanzplatz. 

Die Auswahl der Drehorte ist somit sehr realistisch und erhält von mir 4/5 Punkten. 

4. Frauen in der Finanzbranche

In Bad Banks findet man nur Jana, ihre ehemalige Chefin und ihre Kollegin Tao als weibliche Akteure in der Finanzbranche – umgeben von vielen Männern. Die Frauen weisen in ihren Rollen bei Bad Banks sehr „männliche“ Eigenschaften auf, um das Spiel in der Finanzbranche mitbestimmen zu können. Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen, dass der Anteil an weiblichen Vorständen in deutschen Banken nur 9% beträgt. Im Fondsmanagement sind es ca. 10% und in Führungspositionen nur 6%. 

Bad Banks

Frauen sind also trotz Zeiten der Emanzipation immer noch eine Rarität in der Finanzbranche. Trotzdem füllen Jana und ihre ehemalige Chefin in ihren Rollen als Führungspersönlichkeit ein starkes Frauenbild, wenn auch in Unterzahl. 

Auch hier gibt es im Realitätscheck deshalb 4 von 5 Punkten.

Fazit

Ihr seht: Bad Banks ist nicht zu Unrecht eine meiner Lieblingsserien. Die Handlung und das Umfeld sind zum Teil plausible Geschehnisse, die an der ein oder anderen Stelle vielleicht übertrieben sind, jedoch nicht weit hergeholt wie in einem Science Fiction Film sind. 

Ich denke, dass man aus der Serie einiges über die Welt der Banken mitnehmen kann. 

Jedenfalls freue ich mich auf die zweite Staffel im Februar, in der es um Fintechs und nachhaltige Investitionen gehen wird – also aktuelle Themen, die uns im Moment beschäftigen. 

Bad Banks Trailer Staffel 2

Was ist dein Lieblingsfinanzfilm/serie? Hast Du Bad Banks gesehen? Freust Du dich auch auf die zweite Staffel?

Ich freue mich über deine Meinung!

Liebste Grüße

Hava

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2 Kommentare

  1. Danke für deine ausführliche Analyse! Ich freue mich auch schon sehr uf die zweite Staffel Bad Banks. Die Erste hat mich schon extrem begeistert. Klar ist das Leben von Investment Bankern recht überspitzt dargestellt, jedochbraucht so eine Serie ja auch ein wenig Hollywood Action. Ich freue mich auf die Thematik der zweiten Staffel, da ich selbst für ein junges FinTech in Frankfurt arbeite. Dadurch ist man irgendwie noch viel mehr im Thema drin. Bin sehr gespannt auf dein Fazit wenn die Staffel dann draußen ist.

  2. Die Serie ist nicht nur etwas zugespitzt, sondern in vielen Fällen, lächerlich und zum teil unprofessionell kurios…man fragt sich manchmal „echt jetzt?“

    Andererseits muss man sagen, in Deutschland werden nicht viele gute Serien gedreht, eigentlich kaum. Wir haben Tatort und andere 08/15 Filmchen, das kann man sich aber wirklich nicht antun. Deswegen und auch weil die Thematik so spannend ist eine klare Empfehlung!

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