ETF-Sparplan oder lieber ETF-Rentenversicherung?!

ETF-Sparplan oder lieber ETF-Rentenversicherung?!

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„Mach dir einfach einen ETF Sparplan.“ ETF-Sparpläne sind in voller Munde –schließlich bieten sie auch sehr viele Vorteile für Anleger. Trotzdem merke ich oft, dass viele sehr uninformiert über ihre tatsächlichen Möglichkeiten einfach das machen, was ihnen in den Volksmund gelegt wird: Bestimmte Aktien kaufen, ETFs kaufen, bestimmte Broker eröffnen – und darauf hoffen, dass es für ihre Situation schon irgendwie gut gehen wird und sie finanzieller Freiheit und praller Rente entgegenkommen werden, oder zumindest mal Altersarmut.

Das ist alles erstmal ja positiv, dass man sich mit dem Thema beschäftigt und in Handeln kommt! Dennoch möchte ich euch heute einmal eine interessante Alternative zum ETF Sparplan vorstellen: Die ETF-Rentenversicherung und diese mit unserem All Time Hero, dem ETF Sparplan, vergleichen.

Definitionen

ETF-Sparplan

Ein ETF ist eine Exchange Traded Fund. Das bedeutet ein börsengehandelter Indexfonds. Darin werden viele verschiedene Unternehmen gebündelt, die in der Wertwicklung einen bestimmten Index abbilden. Zum Beispiel den deutschen Aktien Index (DAX). Ein ETF-Sparplan bespart einen solchen ETF regelmäßig in einem bestimmten Rhythmus (meist monatlich) mit einer bestimmten Summe (z.B. 100€ im Monat). Mehr zu ETFs und dessen Aufbau kannst du in diesen Artikel vertiefen. Also ein Wertpapiersparplan.

ETF-Rentenversicherung

Eine ETF Rentenversicherung ist hingegen eine Rentenversicherung. Der Versicherer investierst das Kapital das du monatlich in deine Rentenversicherung einzahlst in ETFs, anders als bei klassischen Rentenversicherung. Eine Rentenversicherung ist meist so vertraglich vereinbart, dass es zur Auszahlung im Rentenalter kommt (also aktuell ab 67., manchmal auch 65. Jahren) mit einer monatlichen lebenslangen Auszahlung bis zum Tod. Sie ergänzt also deine gesetzliche Rente, die im Alter nicht ausreichen wird und bietet somit finanziellen Schutz.

Der Unterschied zwischen ETF-Rentenversicherung und ETF-Sparplan liegt primär im Versicherungsmantel, der mit leicht höheren Kosten verbunden ist als ein gewöhnlicher ETF Sparplan, dafür aber verschiedene Zusätze bietet, die interessant sein könnten – dazu gleich mehr. Eine der monatliche Betrag in die ETF Rentenversicherung muss auf Grund des Vertragsabschluss auch wirklich monatlich erfolgen – man hat hier eine vertragliche Verpflichtung. Diese ist beim ETF Sparplan nicht vorhanden – hier ist die Flexibilität höher. Ein ETF-Sparplan muss auch nicht zwingend für die Rente verwendet werden, während die ETF-Rentenversicherung, wie es der Name auch schon sagt, das zwingend voraussetzt.

Vorteile & Nachteile im Vergleich

Jetzt wo wir verstanden haben, wo die Unterschiede liegen, kann der ein oder andere vielleicht auch schon Vor- & Nachteile erahnen.

 ETF-SparplanETF-Rentenversicherung
Vorteile (+)– Niedrige Kosten
Breite Streuung und Auswahl
– Sparplanfähig mit geringen Summen
– Flexibilität in der Ein- & Auszahlung
– Breite Streuung und Auswahl
– Sparplanfähig mit geringen Summen
– Lebenslange monatliche Rente (egal wie viel Kapital angespart wurde)
– Steuerlich absetzbar
– Umschichtung & Auszahlung erfolgt durch den Anbieter  
Nachteile (-)– Wenn für die Rente gespart wird muss ein Auszahlungsplan bzw. Kapitalumschichtung selbständig erstellt werden
– Kapital kann eventuell nicht ausreichen  
– Leicht höher als ETF Sparpläne (gute Verträge bei guten Versichern liegen bei ca. 1,5% Kosten)
– Wenig Flexibilität in Einzahlung und Auszahlung    
Eigene Darstellung

Ein ETF-Sparplan ist in den Kosten & in der Flexibilität der Ein- Auszahlung der Sparbeiträge und & Erträge vorteilhafter als die ETF Rentenversicherung. Diese bietet dafür aber auch vergleichsweise zu anderen Rentenversicherungen geringe Kosten (ca. 1,5 %). Die Vorteile der breiten Streuung ist bei beiden vorhanden. Was bei der ETF Rentenversicherung als Vorteile noch hinzukommen ist: Die Umschichtung & Auszahlung wird durch den Anbieter geregelt, sobald man in Rente geht und bietet gleichzeitig auch eine lebenslange monatliche Auszahlung (auch wenn man vielleicht länger lebt, als vom Versicherer kalkuliert worden ist). Hier hat man im Alter kein Risiko, dass das Kapital nicht ausreichen könnte – anders als bei ETF Sparplänen.

Hinzu kommt, dass Beiträge für eine ETF Rentenversicherung in der Ansparphase von der Steuer als Vorsorgebeiträge abgesetzt werden können – das kann man mit dem Betrag des ETF Sparplans leider nicht machen.

Ein ETF-Sparplan ist dafür in der Ein- & Auszahlung flexibler. Du kannst dir das Kapital, wann du willst auszahlen, verkaufen, Sparplan erhöhen, aussetzen – was das Herz begehrt. Das kann ein Vor- & Nachteil sein, je nachdem wie man es sieht – Was ist nun besser?

Warum das Ziel entscheidend ist

Was nun besser oder schlechter ist, ist abhängig von deinem Ziel. Ich erlebe es sehr oft, weil Finanzen separat gedacht werden von Versicherungen und das ganze oft nicht als ganzheitliche Finanzplanung betrachtet wird.  Oft geht es unter die richtigen Investment und passenden Versicherungen nach individuellem Ziel, Risikoprofil und der finanziellen Situation auszusuchen.

Im Falle der ETF-Rentenversicherung zeigt sich das sehr schön, wie ich finde. Wenn man sein finanzielles Risiko absichern möchte und wirklich primär seine Rente aufstocken möchte, weil man weiß, sie wird nicht ausreichen, kann meiner Meinung nach eine ETF-Rentenversicherung sehr wohl Sinn machen, denn: Sie bietet eine lebenslange Auszahlung (unabhängig davon, wie lange du lebst) und konstante Einzahlungen dafür (die du von der Steuer absetzen kannst). Wenn das dein Ziel ist, ist die Inflexibilität weniger störend. Und für ein wenig mehr Kosten hast du dafür eben die lebenslange Auszahlung, auch wenn du länger als kalkuliert leben solltest und jemand kümmert sich um deinen Auszahlungsplan – bei gleichen Vorteilen die ein ETF Sparplan bietet (breite Streuung und Co).

Viele, die in ETFs für die Aufstockung ihrer Rente besparen bedenken nicht realistisch, wie viel Kapital sie sich schlussendlich für die Vorsorge monatlich auszahlen möchten bzw. brauchen und haben keinen wirklichen Auszahlungsplan. Den müsst ihr euch in diesem Fall aber selbst erstellen. Überlegt mal wenn ihr während eines Börsentiefs in Rente geht und euch Kapital auszahlen müsst und vorher nicht rechtzeitig umgeschichtet habt – dann holt ihr nicht das maximal möglichste aus den Ersparnissen raus. Deshalb ist es so wichtig, wenn man ETFs für die Vorsorge nutzen: Rechtzeitigen, realistischen Auszahlungsplan erstellen und Kapital in risikoärmere Anlagen umschichten.

Will man jedoch Vermögen aufbauen, um eine Weltreise zu machen, früher in Rente zu gehen (finanzielle Freiheit) oder sich andere finanzielle Ziele zu erfüllen (die nicht erst mit dem Rentenalter eintreten sollen), dann macht ein ETF Sparplan auf Grund der Flexibilität und geringeren Kosten mehr Sinn – dafür braucht man keine ETF Rentenversicherung.

Fazit

ETF-Sparplan oder ETF Rentenversicherung: Es kommt ganz auf dein Ziel an. Für die Altersvorsorge eignet sich die ETF-Rentenversicherung auf Grund der vertraglich vereinbarten lebenslangen Auszahlung und Kontinuität in Kombination mit den ETF Vorteilen besser. Für den Vermögensaufbau ist ein ETF-Sparplan besser geeignet, weil er mehr Flexibilität in Ein- und Auszahlung bietet und etwas geringere Kosten hat.

Idealerweise deckt man in einem guten Finanzplan beides ab: Das Ziel der Altersvorsorge und des Vermögensaufbaus und hat dann vielleicht sogar ETF-Rentenversicherung in der Tasche und ein ETF-Sparplan im Depot.

Wie handhabt ihr das Ganze? ETF-Sparplan oder ETF-Rentenversicherung, oder beides?

Liebste Grüße

Hava

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Michael

    Sehr gut zusammengefasst – Danke. Für mich gibt es trotzdem keine Chance für eine ETF-Rentenversicherung, da zu teuer (TER) gegenüber Sparplan und am Ende ist das eine Wette auf mein Leben. Würde mir immer ein Angebot machen lassen mit möglichen Auszahlungen der Rentenversicherung und dann gegenrechnen was ich über einen Sparplan erwirtschaften kann, bei gleichen Einsatz natürlich. Der Versicherer will und wird daran verdienen, uns meist ganz gut. Der Zinseszins Effekt im Gegenzug wirkt hier Wunder, da keine Depotkosten und 0,15% p.a. TER für den ETF sehr realistisch sind.

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