Interview: Was Du über Finanzberatungen wissen solltest und wie Du gegen Falschberatung vorgehen kannst.

Finanzberatung

Vielleicht hast Du auch das ein oder andere Mal über eine Finanzberatung nachgedacht, weil Du einfach keine Zeit hast, nicht verstehst, wie Du das selber machen kannst oder einfach keine Lust darauf hast.

Finanz- und Vermögensberatungen gibt es in Deutschland wie Sand am Meer. Doch wie findest man den richtigen Berater für Sich, welche Aspekte sollte ich bei einer Beratung beachten und komme ich rechtlich aus dem Vertrag, wenn ich merke, dass ich falsch beraten worden bin?

All diese Fragen und weitere zum Thema Finanzberatung durfte ich der Rechtsanwältin Frau Corinna Ruppel stellen. Frau Ruppel nutzt ihre langjährige Expertise als Kreditspezialistin und Syndikus-Anwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht zu beraten.

Los geht’s mit der ersten Frage:

Wie finde ich den richtigen Finanzberater – gibt es Qualitätssiegel oder rechtliche Vorschriften, die ein Finanzberater oder ähnlicher Anbieter erfüllen muss?

Die Begriffe Finanzberater, Finanzvermittler, Finanzmakler sind leider keine geschützten Begriffe. Allen benötigen eine Zulassung nach § 34 f GewO. Das bedeutet sie müssen ihre persönliche Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse, eine Berufshaftpflichtversicherung und Sachkunde nachweisen. Das sagt aber noch nicht wirklich viel darüber aus, wie gut jemand ist.

Daher sollte man auf regelmäßige Weiterbildungen des Beraters, Vermittlers oder Maklers achten. Auch die Mitgliedschaft in einem Berufsverband kann Aufschluss über die Seriosität geben.

Welche Fragen sollte man sich selbst stellen, bevor man ein Beratungsgespräch vereinbart?

Die erste Frage, die man sich selbst ehrlich stellen sollte: Wie erfahren bin ich und in welchem Umfang möchte ich beraten werden. Danach sollte sich entscheiden, ob ein Finanzberater oder –Vermittler in Frage kommt. Denn diese haben unterschiedliche Beratungspflichten.

Ein Finanzberater berät den Kunden umfassend. Das heißt er prüft die konkrete finanzielle Situation des Anlegers und spricht darauf abgestimmt Anlageempfehlungen aus. Man spricht von der sogenannten „anlegergerechten Beratung“. 

Ein Finanzvermittler dagegen prüft die finanzielle Situation des Anlegers nicht. Er verkauft bestimmte Produkte. Seine Pflicht besteht darin, die Produkte auf ihre Plausibilität zu überprüfen und den Anleger ordnungsgemäß über die Risiken aufzuklären.

Entsprechend haftet der Berater deutlich umfangreicher als der Vermittler. Aber auch hier gilt Vorsicht: Der bloße Titel Finanzberater oder Finanzvermittler sagt nicht darüber aus, ob man einen Beratungsvertrag oder Vermittlungsvertrag abschließt.

Welche Fragen kann man im Beratungsgespräch stellen, um herauszufinden, ob der Berater versucht das bestmögliche für beide Seiten zu finden oder nur an seine eigene Provision denkt?

Es gibt eine ganze Reihe von Punkten, die du vor oder während der Beratung klären solltest, um herauszufinden, ob der Berater zu dir passt:

Zunächst einmal sollte dir das Gegenüber sympathisch sein. Wenn das nicht so ist, dann lass es. Es gilt aber auch: Bleib kritisch, auch wenn man auf einer Wellenlänge ist.

Wenn die Chemie stimmt, sollte man sich über die Fachkompetenz des Anbieters informieren. Frag nach der Ausbildung, Fortbildung, Vernetzung mit Kollegen. Wie lange ist er schon im Geschäft. Je komplizierter die Produkte die er verkauft desto wichtiger ist die Fachkenntnis.

Viele Berater sind nur für einige wenige Produktanbieter tätig und erhalten auch von diesen eine Provision. Das heißt, nicht du bezahlst ihn, sondern der Initiator der Anlage. Sie sind also nicht unabhängig. Frag daher explizit nach der Höhe der Provision. Frage dich, ob das in einem vernünftigen Verhältnis zu deinem Risiko besteht und bedenke, dass mit deiner Anlage diese Provision verdient werden muss.

Eine Alternative könnte daher der Honorarvermittler sein. Dieser wird von dir bezahlt. Das scheint auf dem ersten Blick teurer, allerdings sind diese wirklich frei in ihren Empfehlungen.

Achte darauf, wie das Gespräch verläuft. Nimmt sich der Berater wirklich Zeit für dich und beantwortet all deine Fragen? Fordert er dich auf über deine mögliche Anlage nochmal in Ruhe nachzudenken? Du kannst auch immer einen unbeteiligten Zuhörer mitnehmen. Ein seriöser Berater wird nichts dagegen haben. Alle Unterlagen und ein Beratungsprotokoll kannst du zudem mit nach Hause nehmen.

Als letzten Punkt, solltest du nach der Deckung der Haftpflichtversicherung des Beraters fragen. Denn es gibt Produkte, die im Falle einer Falschberatung nicht von der Versicherung gedeckt sind. Frage daher gezielt nach, ob die Haftpflicht auch die von dir ins Auge gefasste Anlage abdeckt.

Wie prüfe ich Verträge vor dem Abschluss richtig? Kann ich das selbst tun? Wenn ja, gibt es Tipps und Tricks welche Abschnitte wichtig sind?

Nach jahrelanger Berufserfahrung kann ich sagen, dass es Fachfremden in der Regel nicht möglich ist den Vertrag eingehend zu prüfen. Dafür hat man aber schließlich auch den Berater. Grundsätzlich rate ich davon ab, sofort in dem ersten Gespräch vor Ort die Anlage zu unterzeichnen.

Auch wenn du den Vertrag nicht in Gänze prüfen kannst, bestehe darauf, sämtliche Unterlagen zum Studium mit nach Hause zu nehmen. Lies dir die Unterlagen in Ruhe durch. Insbesondere den Risikohinweisen solltest du Glauben schenken. Wenn dort steht, es ist mit einem Totalverlust zu rechnen, so solltest du das ernst nehmen. Wenn es Widersprüche in den Unterlagen gibt, ist Skepsis angebracht.

Auch der Umfang des Prospekts, gibt nicht unbedingt Aufschluss auf die Seriosität der Anlage. Dennoch sollte dieses vorhanden sein und nicht aus ein paar losen Zetteln bestehen.

Was kann ich noch tun, um die Seriosität der Anlage zu prüfen?

Vor allem eine gründliche Recherche im Internet, bietet häufig gute Informationen. Neben der Anlage selbst, sollte man auch die „Hintermänner“ durchleuchten. Sind diese schon einmal positiv oder negativ aufgefallen? Es lohnt sich ein paar Stunden in Recherche zu investieren. So mancher Verlust hätte so vermieden werden können.

Vertrag unterschrieben, Anlage läuft, aber irgendwas stimmt nicht. Was mache ich, wenn ich falsch beraten wurde?

Ein seriöser Anlageberater wird einem auch in dieser Phase immer noch unterstützen. Ansonsten solltest du im Internet recherchieren, bei der Verbraucherzentrale nachfragen oder auch die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen kontaktieren. Die BaFin Seite mag vielleicht auf den ersten Blick etwas „sperrig“ wirken, aber sie ist hält viele nützliche Informationen bereit.

Habe ich die Möglichkeit aus so einem Vertrag wieder rauszukommen? Was ist, wenn mir erst nach einigen Jahren auffällt, dass ich falsch beraten worden bin?

Spätestens wenn man sich diese Frage stellt, sollte man einen auf dem Gebiet des Bank- und Kapitalmarktrechts versierten Anwalt befragen. Dieser wird prüfen, ob man den Vertrag kündigen oder widerrufen kann. Er wird das Prospekt auf Fehler hin durchleuchten und Schadenersatzansprüche prüfen. Dabei ist der Berater nur einer der vielen Beteiligten, die möglicherweise haften.

Bei all den möglichen Ansprüchen ist die Verjährung immer ein Thema. Hier gibt es die absolute und die relative Verjährung. Unabhängig von der Kenntnis der Falschberatung ist der Anspruch auf den Tag genau 10 Jahre nach Kauf der Anlage verjährt. Ansonsten 3 Jahre nach Kenntnis von der Falschberatung, beginnend mit dem Ende des Jahres in dem die Kenntnis erlangt wurde.

Wie kann ich gegen Falschberatung vorbeugen?

Sich Zeit lassen, die Anlage genau prüfen und nur kaufen, was man auch versteht.

Vielen Dank für das Interview, Frau Ruppel!

Wie Du siehst, ist es essentiell sich einen Grundstock an Finanzwissen anzueignen, auch bei Finanzberatungen. Weitere Basics zu Finanzanlagen findest Du zum Beispiel auf meinem Blog hier und hier.

Hast Du noch Fragen zum Thema Finanzberatung? Dann stell diese gerne in die Kommentare. Wurdest Du schon falsch beraten? Was hast Du dagegen getan?

Ich freue mich über Deinen Kommentar!

Liebste Grüße

Hava

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