Im Interview: Über das Investieren in Gold

Gold

Alle reden davon: dem großen Crash. Damit einhergehend wird in der Finanzbranche viel über das Investieren in Gold diskutiert. Doch was treibt eigentlich den Goldpreis, wie kann ich als Privatperson in Gold investieren und wann macht es Sinn in Gold zu investieren – diese Fragen bin ich mit Money Manni a.k.a Manfred Herpolsheimer, ehemaliger Sparkassen Vorstand, auf den Grund gegangen. Hier gehts zu Money Mannis YouTube Kanal.

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Manni viele junge Leute kennen den „Goldinvestitionsmarkt“ gar nicht. Was treibt eigentlich den Goldpreis? 

Gold gilt für manche Anleger als „sicherer Hafen“. Gerade in politisch und wirtschaftlich unruhigen und unsicheren Zeiten steigt die Nachfrage nach Gold. Kriege, Krisen, Konflikte und Spannungen weltweit sowie die „personifizierten“ Unwägbarkeiten — Stichwort Trump, Putin, Erdogan — verunsichern die Anleger und sie suchen Sicherheit zumindest für einen Teil des Vermögens. Deshalb ist der Goldpreis in den letzten Monaten deutlich gestiegen. 

Hinzu kommt die anhaltende Niedrigzinsphase und die damit einhergehenden fehlenden Anlagealternativen. Ein schwacher Dollar treibt zusätzlich den Goldpreis, denn Gold wird in US-Dollar notiert.
Außerdem sind die Abbaureserven in den Goldminen der Welt nicht unerschöpflich. Aber nicht nur Privatanleger fragen nach Gold. Auch Investmentgesellschaften, die mit Wertpapieren auf Gold handeln, und zahlreiche Notenbanken stocken die Gold-Reserven auf. Im Falle der Zentralbanken ist dies besonders interessant, da sie einerseits die Zinsen drücken, und andererseits sind sie selbst Käufer, die das Angebot verknappen. 

Wann macht es dann Sinn, Geld in Gold anzulegen? Welche Renditen können Anlagen in Gold abwerfen? 

Der überwiegende Grund für Goldanleger ist der Aspekt der Sicherheit. Im Vergleich hierzu rücken Renditegesichtspunkte in den Hintergrund, denn (physisches) Gold bringt weder Zinsen noch Dividende. Eine Rendite ergibt sich nur durch eine Steigerung des Goldpreises. Und da der Goldpreis sehr großen Schwankungen unterliegt, ist das Spekulieren auf eine ordentliche Preiserhöhung sehr riskant. Ein Totalverlust würde aber wahrscheinlich nicht eintreffen, da Gold immer einen gewissen Wert haben dürfte. Das Währungsrisiko sollte zudem im Auge behalten werden. 

Lohnt sich Gold dann überhaupt für den langfristigen Vermögensaufbau?

Für den Vermögensaufbau ist hier natürlich das Timing entscheidend, also zu welchem Kurs und welchem Zeitpunkt steige ich in den Goldmarkt ein. Derzeit liegt der Goldpreis bei 1530 US $ und wird vermutlich noch weiter steigen. Der Goldpreis wird in US-Dollar notiert und ging in den letzten Jahren stetig nach oben — allerdings mit zwischenzeitlich deutlichen Kursschwankungen.

Deshalb kann Gold allein allenfalls eine Beimischung zu einem Vermögensportfolio sein. Auf keinen Fall würde ich das ganze Vermögen in Gold investieren — Richtschnur: 5 % bis maximal 10 %. Mehr nicht! Ich denke, auf längere Sicht ist eine Anlage in Aktien oder Indexfonds die bessere Alternative zum Vermögensaufbau. 

Und warum eignet sich, trotz hoher Schwankungen, Gold als „Sicherheit“ Beimischung? Wie genau streut es das Risiko?

Bei einem Investment in Gold überwiegt, wie gesagt, der Aspekt der Sicherheit und nicht der Rendite. Starke Preis-Schwankungen sind nicht ungewöhnlich und sollten „ausgehalten“ werden. Wenn sich der Goldpreis in einer politischen oder wirtschaftlichen weltweiten Krise konträr zu den Aktienkursen entwickelt (und das gab es ja bereits in der Vergangenheit), dann kann ein Kursverlust bei den Aktien durch den steigenden Goldpreis zumindest abgefedert werden. Derzeit erleben wir aber, dass sowohl die Aktienkurse und der Goldpreis steigen. Und Krisen haben wir ja genug. Als generelles Mittel zur Risikobegrenzung oder Risikostreuung würde ich Gold nur bedingt als geeignet ansehen. 

Was sind dann die Vorteile von einer Investition in Gold? 

Gold gilt ja als „sicherer Hafen“, als krisensichere Anlage. 

Es kann in einem Portfolio als Beimischung (teilweise) resistent gegen die Schwankungen an den Finanzmärkten wirken. 

Es kann eine Art „Notwährung“ sein, wenn Geld in einer Systemkrise seinen Wert verliert. 

Physisches Gold (Barren oder Münzen) kann man anfassen und sich am Wert und dem Glanz erfreuen. Es vermittelt ein Gefühl von Reichtum, Wohlstand, und Sicherheit! Bei Münzen kommt mitunter ein Sammlerwert zum ursprünglich bezahlten Preis hinzu. Wie sich solch ein Sammlerwert jedoch entwickelt, kann pauschal nicht vorhergesehen werden, denn der Wert einer Goldmünze richtet sich natürlich einerseits nach dem Goldpreis, bei Sammlern aber auch nach der Prägequalität (z.B. polierte Platte), nach der Beschaffenheit der Münze und danach wie selten eine Münze erhältlich ist, oder vielleicht sogar historischen Wert hat. 

Und welche Punkte sprechen gegen die Anlage in Gold?

Der Goldpreis ist starken Schwankungen unterworfen. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist weiterhin das Währungsrisiko. Beim Kauf von physischem Gold,verlangen die ausgebenden Stellen ein Aufgeld in unterschiedlicher Höhe. Faustformel: Je kleiner die Stückelung – desto hoher das Aufgeld. Dies liegt an den hohen Prägekosten kleinerer Einheiten. Bei einem Ein-Gramm Barren beispielsweise sind mindestens 20 % Aufschlag fällig. Dies ist den hohen Prägekosten kleinerer Einheiten geschuldet. 

Bei einem Vergleich mit einem Aktieninvestment respektive mit einem ETF auf z.B. den MSCI World, schneidet Gold schlechter ab. 

Außerdem muss überlegt werden, wie und wo das Gold aufbewahrt wird. 

Zu Hause: Hier besteht die Gefahr von Einbruch / Überfall. Unbedingt mit der Hausratversicherung sprechen und ggfs. die Versicherungssumme erhöhen! Die Versicherung wird zudem einen speziell genormten Tresor verlangen. 

Bankschließfach: Nachfragen, bis zu welcher Summe hier die Versicherung zahlt; auch hier ggfs. erhöhen. Zudem kostet das Schließfach Gebühren. 

Ausgebende Stelle: Börsenhändler und die Hersteller von Gold bieten die Aufbewahrung gegen Gebühr an (Einlieferungs-, Lager-, Auslieferungsgebühr). Dies ist jedoch nicht ganz preiswert, je nach Depotwert können hier mehrere Hundert Euro pro Jahr anfallen. Dafür ist diese Form der Aufbewahrung aber in der Regel vollumfänglich versichert. 

Da Gold ja keine Rendite in Form von Zinsen oder Dividenden abwirft, könnte der Anleger durch die anfallenden Gebühren negativ belastet werden, sofern die erhoffte Wertsteigerung ausbleibt oder geringer ausfällt, als erwartet. 

Wo kann man als Privatperson Gold kaufen? 

Es gibt bekannte seriöse Händler, die Gold auch an Privatpersonen verkaufen. Bei der Frage, welchen Händler man für seinen Goldkauf auswählen sollte, kann man sich an seine Hausbank wenden. Hier wird man dazu beraten. 

Bis zu einem Betrag von 9.999 € kann eine Privatperson Gold anonym kaufen und nach einem Jahr Haltedauer auch steuerfrei wiederverkaufen. Allerdings soll die Grenze von 9.999 € ab dem nächsten Jahr auf 1.999 € gesenkt werden. 

Welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus in Gold zu investieren?

Grundsätzlich gibt es hier 3 Möglichkeiten:

1. Physisches Gold (Barren und Münzen)

2. Goldzertifikate

3. Goldminen-Aktien 

Goldbarren/Münzen

Goldbarren sollten der Grundstock meiner „kleinen“ Goldreserve sein. Barren sind schwerer handelbar als Münzen und nicht jede ausgebende Stelle nimmt die Barren zurück oder nur mit hohen Abschlägen. Münzen, wie z.B. Krügerrand sind leichter „zu Geld zu machen“, zumal sie auch gesetzliche Zahlungsmittel sind. 

Goldzertifikate

Bei Goldzertifikaten/Inhaberschuldverschreibungen wird der Anleger nicht Eigentümer von Gold – sondern er wird Gläubiger der emittierenden Bank. Der Kurs des Zertifikats orientiert sich in der Regel am Goldpreis – es muss aber kein physisches Gold für den vollen Wert des Papiers vom Emittenten „hinterlegt“ werden, sprich eine Bank kann ein Gold-Zertifikat verkaufen, auch ohne, dass ein entsprechender Gegenwert in physischem Gold vorgehalten wird. Vielmehr wird auch „Buch Gold“ als Sicherheit angegeben. Der Anleger hat Lieferansprüche auf physisches Gold gegen den Emittenten. Das aber ist ein Risiko, denn wenn in Krisenzeiten Gold knapp ist, dann nutzen einem die Lieferansprüche wenig. 

Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Risiken kommt hier noch das Emittenten Risiko hinzu. Kommt die Bank in eine wirtschaftliche Schieflage, hat der Zertifikate-Inhaber die „normalen“ Gläubigerrechte und keinen Anspruch auf die Herausgabe von physischem Gold. Bei Verkauf des Zertifikats fällt Abgeltungs-Steuer in Höhe von 25 % an. 

Goldminenaktien

An Beliebtheit gewinnen die ETCs = Exchange traded Commodities. Hierbei handelt es sich um börsennotierte Inhaberschuldverschreibungen. Da der Goldpreis in US-Dollar notiert wird, die Zertifikate aber auf EURO lauten, besteht ein gewisses Währungsrisiko. 

Ein weiteres Wertpapier sind ETFs auf Gold – allerdings sind diese in Deutschland nicht zugelassen! (widerspricht dem Gedanken der Risikostreuung, da nur in ein Produkt investiert wird). In der Schweiz beispielsweise aber schon. Ein Gold-ETF bildet die Goldpreisentwicklung ab, die von der London Bullion Market Association veröffentlicht wird. 

Goldminen-Aktien sind äußerst spekulativ und werfen viele Fragen auf wie z.B: Wie ergiebig ist das Abbaugebiet? Wie stabil ist die politische Lage? Gibt es Förder-beschränkungen? Rechtliche Rahmenbedingungen etc. Die meisten Anleger sind hiermit überfordert. Wer sich also mit dem Gedanken beschäftigt, in eine Goldmine zu investieren, der sollte sich genau beraten lassen und sich des großen Risikos bewusst sein. 

Wenn ich mich nun entscheiden würde in Gold zu investieren, welche Anlage würdest Du mir empfehlen?

Gerade wenn man am Anfang seines Vermögensaufbaus ist, würde ich im Hinblick auf das Ausbleiben fehlender Rendite und des relativ hohen Risikos von Preisschwankungen nicht mit einem Investment in Gold beginnen. In der heutigen Zeit sollte man mit dem Aufbau eines soliden Aktiendepots beginnen – gerne auch mittels ETFs auf den DAX, EUROSToxx 50 oder MSCI World. 

Erst wenn das Vermögen an sicherer Größe gewonnen hat, können 5 % in Gold angelegt werden – wer es denn mag. 

Unser Fazit 

Gold gilt also als sicherer Hafen. Es gibt ein Gefühl von Sicherheit, Reichtum und Wohlstand. Es ist schön anzusehen und übt eine gewisse Faszination aus. 
Aufgrund fehlender Rendite verbunden mit vielen Risiken, ist es zum Vermögensaufbau oder zur alleinigen Anlage weniger geeignet. Wer es trotzdem oder in späteren Lebensjahren in Gold investieren möchte: Ein Richtwert für die Anlage in Gold ist 5 % bis maximal 10 % des Vermögens.  

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1 Kommentar

  1. Hallo, ich finde diesen Artikel sehr Interessant, beschäftigen sie sich auch mit FONDS und ähnlichem wie die Deutsche Öl und Gas von zum Beispiel Herr Kay Rieck ?

    https://kay-rieck-dogsa.blogspot.com/ bzw https://dog-ag.de/ ?

    Diese bieten ja auch ETF’s an wenn ich dies richtig gelesen habe.

    Ein Artikel dazu bzw über das ÖL Geschäft oder besser gesasgt ob man als “Normalo” dort noch Investieren kann würde mich sehr Interessieren!

    Liebe Grüße

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