Nachhaltig investieren – geht das wirklich?

Nachhaltig investieren

Immer mehr Femance Leser, Freunde und Kontakte im Bekanntenkreis sprechen mich auf das Thema Nachhaltig investieren an. Da stellt sich sehr häufig die Frage: Nachhaltigkeit und Geldanlage, wie passt das zusammen? Schließt sich das schon von Grund auf aus?

Diese Frage fand ich äußerst spannend und bin dem Ganzen auf den Grund gegangen, um das Thema für Dich genauer zu durchleuchten.

Was versteht man eigentlich unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“? 

Das ist meiner Meinung nach einer sehr philosophischen Frage, denn sie kann für jeden individuell ausfallen. Das Wort Nachhaltigkeit stammt vom den Verb nachhalten mit der Bedeutung „längere Zeit andauern oder bleiben“. Die moderne, umfassende Bedeutung laut Duden beschreibt das Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann. Es soll also sichergestellt werden, dass ein bestehendes System inklusiver seiner Eigenschaften dauerhaft erhalten bleibt. 

Viele von uns assoziieren Nachhaltigkeit mit Umwelt – genau genommen sind hier jedoch alle Lebens- und Wesensbereiche mit eingenommen wie beispielsweise gesellschaftliche Aspekte. Das Ganze wird sehr gut im sogenannten Nachhaltigkeit Dreieck dargestellt. Das Nachhaltigkeitsdreieck besteht aus 3 Seiten Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft und soll zeigen, dass alle drei Aspekte gleichwertig in das Thema Nachhaltigkeit einspielen, sich beeinflussen und berücksichtigt werden sollten.

Wie definieren sich dann Finanzprodukte als nachhaltig?

Du siehst: die Definition ist also gar nicht so einfach. Damit Anleger Unternehmen identifizieren können, die nachhaltig agieren, wurden die ESG Kriterien entwickelt. ESG gesteht für Environmental, Social, Governance. 

Environmental deckt beispielsweise Kriterien wie Investitionen in erneuerbare Energien, effizientem Umgang mit Energie und Rohstoffen, geringe Emissionen in Luft und Wasser und so weiter ab. Im Bereich Social werden Kriterien abgedeckt wie Einhaltung der Arbeitsrechte, Arbeitssicherheit, faire Arbeitsbedingungen, Umgang mit Zulieferern etc. ab. Governance Kriterien decken die Verhinderung von Korruption, Vorstandsvergütungen bei Nachhaltigkeitszielen & Co ab. 

Das bedeutet: Wenn ihr mit gutem Gewissen nachhaltig investieren möchtet sind Unternehmen die die ESG Kriterien erfüllen ein guter Richtwert um sich zu orientieren und Unternehmen zu finden, die die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

Die Herausforderung: Es gibt keine einheitlichen gültigen ESG Kriterien. Das bedeutet, dass es für Anleger beispielsweise bei der Auswahl von Unternehmen in bestimmte Fonds nicht wirklich nachvollziehbar ist, welche Filtermaßstäbe gesetzt worden sind. 

Welche Möglichkeiten gibt es Geld nachhaltig zu investieren

Die gute Nachricht: Es gibt verschiedene Möglichkeiten nachhaltig zu investieren und sein Geld “fair” anzulegen. 

ETFs

Zum einen gibt es ein paar ETFs wie beispielsweise den MSCI World Socially Responsible Index (SRI). Der Index bündelt 400 Unternehmen aus Industrieländern, die das höchste ESG Ranking aufweisen. Das wird von Analysten aus öffentlich verfügbaren Informationen bewertet. Über die Fact Sheet kann man nachprüfen welche Unternehmen im Fond enthalten sind. Häufig werden in den Fonds schon einige Branchen von Beginn an bestimmte Branchen ausgeschlossen: Waffen, Atomkraft, Pornographie & Co. Was jedoch zu beachten ist: Meistens haben nachhaltige ETFs weniger Aktien im Portfolio. Das liegt an den Einschränkungskriterien. 

Einzelaktien

Natürlich kann man sich auch selbst ein nachhaltiges Aktienportfolio zusammenstellen indem man Einzelaktien von Unternehmen kauft, die die ESG Kriterien (oder vielleicht sogar eigene nachhaltige Kriterien) unterstützt. Hier sollte man allerdings aufpassen, dass man sein Portfolio breit diversifiziert und nicht alles auf eine Karte setzt. Eine Strategie für die Auswahl von Einzelaktien kannst Du hier nachlesen oder als Video ansehen.

Regionale & Gemeinnützige Projekte 

Auf der Plattform Xavin kann man regionale und gemeinnützige Projekte bei der Finanzierung unterstützen. Man investiert also in ein bestimmtes soziales Projekt, wie beispielsweise Schaffung von neuem Wohnraum für Alleinerziehende oder die Reinigung von Gewässern. Für eine bestimmte Laufzeit bekommt man einen festen Zinssatz. Der Zinssatz ist natürlich meist nicht so hoch wie bei Unternehmensbeteiligungen, allerdings immer noch höher als der Zinssatz, dem man für eine Sparbucheinlage erhält.

Nachhaltige Banken

Nachhaltige Banken wie beispielsweise die Tomorrow Bank bieten beispielsweise eine Möglichkeit ein mobiles Bankkonto mit CO2 Ausgleich zu führen. Ein Girokonto wirft aber aktuell als Geldanlage keine Zinsen ab. Diese decken nicht einmal die Inflation. Trotzdem: Eine gute Alternative für ein nachhaltiges Kontensystem 

Verzichtet man auf Rendite, wenn man nachhaltig investiert?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Viele argumentieren damit, dass auf der Ebene von einzelnen Unternehmen Kosten entstehen, um ESG Kriterien einzuhalten. Gleichzeitig schränkt sich die Diversifikation sowohl bei Aktien als auch Fonds & ETFs durch die Kriterien stärker ein, das Portfolio ist weniger stark diversifiziert und somit können sich auch Renditen einschränken. 

Es gibt natürlich auch Fürsprecher, die sagen, dass die ESG Maßnahmen für ein sensibleres Managament und Risikobewusstsein im Unternehmen führen und so Kosten reduziert werden (weil man Gerichtskosten spart z.B.). Mit einem nachhaltigen Ansatz sieht man jedoch häufig auch, dass Unternehmen produktiver werden.

Was jedoch interessant ist: Man kann Unterschiede in den einzelnen ESG Faktoren erkennen: Eine Grafik der NZZ zeigt, dass sich Governance Maßnahmen (G) am vorteilhaftesten auf die Rendite auswirken. 

Nachhaltig investieren

Fazit

Wie Du siehst ist nachhaltig Investieren möglich. Von ETF Fonds bis hin zur Unterstützung von sozialen Projekten. Nachhaltigkeit definiert sich aus drei Faktoren: Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Die ESG Kriterien spielen bei der Auswahl der Geldanlage eine große Rolle. Beim nachhaltigen Investieren verzichtet man nicht unbedingt auf Rendite, gewinnt aber auch nicht unbedingt dazu. Langfristig kann man diese Effekte in der Zukunft sicherlich besser untersuchen und validere Aussagen zur Performance treffen. Wichtig ist, dass man versucht sein Portfolio dennoch breit aufzustellen und so das Risiko zu streuen.

Habt Du schon Erfahrungen mit dem Thema nachhaltig investieren machen können? Wie ist deine Erfahrung?

Liebste Grüße

Hava

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7 Kommentare

  1. Manche nachhaltige Fonds halten auch Aktien der z.B. TUI AG. Auch McDonalds, Coca-Cola und viele US-Airlines finden sich in den grünen Fonds.Auch der ESG-Index, auf den sich viele grüne ETFs beziehen, ist nicht viel besser. Er beinhaltet neben Autobauern, sogar einen Bierkonzern und auch Siemens. Grund dafür ist, dass sich die Fondsgesellschaften, aber auch die Indexanbieter, eigene Regeln geben. Meist wird mit Quoten gearbeitet. So darf ein Konzern seinen Umsatz beispielsweise maximal bis zu 5% aus Tabak oder Alkohol machen, damit er als nachhaltig gilt. Bei einer 0-Toleranz-Grenze dürfte der Fonds nicht mal die Aktien eines Supermarktes kaufen, denn da gibt es ja auch Tabak oder Alkohol. Um auch weiter zu investieren, nutzen manche Fonds einen „best in class“ Ansatz. Hier darf auch in z.B. eine Fluglinie investiert werden, aber halt immer nur in die „sauberste“.

    Man könnte das Gefühl haben, die Finanzindustrie malt ihre Produkte einfach nur grün an, um sie besser absetzen zu können. Vor Jahren hat das die Lebensmittelindustrie erfolgreich vorgemacht. Auf einmal gab es glutenfreien Tee, Bio-Wasser, veganer Käse, laktosefreie Birnen, Chemie-Sojapampe und anderen Quatsch, den man auf einmal teurer verkaufen konnte.

    1. Alles grün anzumalen ist doch das neue Normal. Die FfF-Kids schwänzen die Schule, faseln von Nachhaltigkeit und laufen parallel in Primark, Kick, Adidas etc. herum. Deren deutsche Anführerin postete noch vor gar nicht so langer Zeit Bilder von ihren Weltreisen. Deren Bruder studiert in England.

      Das grüne Gefasel ist eine politische und Marketingfalle. Es geht darum, den Leuten mehr Geld abzunehmen und Macht auszuüben.

      Wer „argumentiert“ die Erde sei an homo sapiens erkrankt, der steht meines Erachtens in einer Reihe mit allen bisherigen faschistischen Ideologien. Diesmal im grünen Mäntelchen und auch diesmal vollumfänglich, auch mit Pseudogrüngeldanlagen.

  2. Es gibt zwei Effekte: Marktarithmetisch weisen nachhaltige Investments zunächst einen (kleinen) negativen Renditeeffekt auf. Aber wenn die Kunden tatsächlich langfristig zu diesen Unternehmen wechseln, bekommen die Unternehmen auch den notwendigen fundamentalen Rückenwind für bessere Performance. Den ersten Effekt hatte ich hier mal zusammengefasst: https://www.marko-momentum.de/warum-nachhaltige-investments-einen-renditenachteil-haben-muessen/

  3. Die GLS Bank hat einige nachhaltige Fonds aufgelegt und stellt sehr transparent dar wie und warum sie die enthaltenen Unternehmen auswählen. Das finde ich sehr vorbildlich, da finde ich mein Geld gut aufgehoben.

  4. Hallo Hava, Danke für diesen Blog und den klaren Überblick. Leider läuft unter dem Deckmäntelchen ESG, nachhaltig und “grün” viel Greenwashing. Wenn Coca Cola, Nestlé und Mac Donalds in Fonds auftauchen, die sich “nachhaltig” nennen, bin ich da raus. Effektiver ist es auf jeden Fall, in einzelne Projekte zu investieren. Da fließt Dein Geld direkt in Vorhaben, die z.B. Klima und Umwelt zugute kommen. Du findest solche Projekte z.B. auf Corwdinvestment-Plattformen wie ecoligo.investments, leihdeinerumweltgeld.de oder z.T. auch anlagefafen.de. Mehr zum Thema auch hier: https://www.ecosia.org/search?q=leih+deiner+umwelt+geld und https://www.fairfinanceguide.de. Dir weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog. Deinen Newsletter habe ich gleich abonniert. viele Grüße von Robert

  5. Hallo, ich empfehle diese Seiten zur Ergänzung:

    FairGeldAnlegen.de

    nachhaltig-investieren.com

    Da findet man sehr viele konkrete Ideen für eine ethische Investition

    Liebe Grüße

  6. Ist zwar aktuell noch ein Thema, bei dem wir mehr Transparenz bei der Auswahl brauchen, aber unglaublich wichtig. Gerade als Anleger, können wir einen Beitrag dazu leisten, Unternehmen zu unterstützen, die wiederum einen positiven Impact auf unsere Umwelt haben und auf Menschenrechte & Co. achten.

    Es ist noch viel “Greenwashing” unterwegs, das sollte uns jedoch nicht davon abhalten zu investieren. Ich bin davon überzeugt, dass trotz alldem ESG-ETFs deutlich nachhaltiger sind als die klassischen.

    Rendite/Risiko ist bei beiden Versionen sehr ähnlich, das sollte keinen Einfluss auf die Wahl haben.

    Danke dir für den wirklich gelungenen Beitrag!

    Cheers,
    Carlos

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