Wann sich eine Riester Rente lohnen kann

Riester Rente

Riester Rente, lohnt sich das denn überhaupt? Diese Frage kriege ich sehr häufig gestellt, eine legitime Frage, wie ich finde. Zu Ende des Jahres 2019 belief sich die Anzahl abgeschlossener Riester Verträge bei rund 16,5 Millionen – ganz schön viel finde ich! Vermutlich haben viele einen Riester Vertrag und wissen es gar nicht. Deshalb lass uns heute mal einen genaueren Blick in Riester Rente wagen und ansehen, in welchen Fällen man mit einer Riester Rente profitieren kann.

Unser Rentensystem

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei einer Riester Rente um eine Art von Rente. Dazu müssen wir erstmal in Kürze verstehen, wie unser Rentensystem aufgebaut ist.

Unser Rentensystem besteht aus drei verschiedenen Bestandteilen. Man kann sich das Ganze auch wie ein Burger vorstellen – Brot – Patty – Brot und dazwischen gibt’s dann noch die fancy Sachen, die jeder selbst auf seinen Lieblings Burger legen kann – irgendwie leckere Vorstellung, oder?

Schicht 1: Die gesetzliche Rente und die Rürup Rente (Basis Rente für Selbstständige)

Schicht 2: Riester Rente und Betriebliche Altersvorsorge

Schicht 3: Private Rentenversicherungen, Lebensversicherungen etc.

Die erste Schicht der Rente ist die gesetzliche Rente – hier zahlen wir als Angestellte monatlich Geld von unserem Bruttolohn ein – ein Teil Arbeitnehmer, ein Teil Arbeitgeber. Zwei Dinge solltest Du als Basiswissen im Kopf haben: Die gesetzliche Rente in Deutschland basiert auf dem Solidaritätsprinzip (was bedeutet, dass jeder den gleichen prozentualen Anteil deines Bruttoverdienstes zahlt) und funktioniert nach dem Umlageverfahren. Das was wir jetzt einzahlen wird quasi auf die aktuellen Rentner umgelegt – sie erhalten unsere eingezahlten Steuern als Rentenzahlungen. Das wird natürlich immer schwieriger, weil wir 1. Immer älter werden und 2. Immer weniger Kinder geboren werden, die das System tragen. Hier gibt es von der CDU glücklicherweise in letzter Zeit einige Diskussion zur Veränderung des Systems – mehr dazu in einem separaten Blogbeitrag.

Für Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, gibt es analog die Möglichkeit eine Rürup Rente abzuschließen, auch Basis Rente genannt, die ähnlich funktioniert. Die Renten, die man später aus dieser Schicht erhält sind mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern (aktuell 90% der Zahlungen, aber bis ich in Rente bin sind es 100%, also die gesamte Rente).

Wie es zur Riester Rente kam

Die dritte Schicht sind alle privaten Vorsorgen, die ihr durchführt – private Rentenversicherungen. Das besondere im Vergleich zu euren Kapitalanlagen ist, dass die Produkte eine besondere Besteuerung in der Auszahlphase haben, als z.B. Kapitalerträge, die einheitlich mit der Kapitalertragssteuer versteuert werden müssen. Bei der privaten Rente gibt es Ausnahmen, je nach Länge des Vertrages, in der Besteuerung – auch dazu mache ich gerne nochmal einen neuen Beitrag für euch.

Denn heute bewegen wir uns in der zweiten Schicht, dem Burgerpatty: Die Riester Rente. Sie wurde 2002 eingeführt im Zuge einer Rentenreform der gesetzlichen Rente (Schicht I). Weil unsere Renten im Zuge dieser Reform betragsmäßig sinken mussten, hat man sich überlegt, wie man Burger dazu animieren kann auch selbst für die Rente vorzusorgen. Denn weniger gesetzliche Rente bedeutet natürlich eine größere Versorgungslücke im Alter.

Da hatte Herr Riester (ja, er heißt wirklich so) eine Idee, die umgesetzt wurde: Die Riester Rente. Private Vorsorge mit Unterstützung vom Staat. Ja, du hast richtig gelesen, der Staat fördert diese Art von Vorsorge mit steuerlichen Vorteilen und Zulagen. Klingt doch erstmal super, finde ich.

Wer darf „riestern“?

Jeder, der in die gesetzliche Rentenkasse einzahlt, also Arbeitnehmer, Azubis, Selbstständige, die in die gesetzliche Rente einzahlen (also freiwillig versichert sind), Minijobber (ab 450€), Beamte, Arbeitslosengeld Bezieher, und Mamas und Papas die Kinder erziehen (für die ersten 36 Monate pro Kind).

Wie funktioniert das Ganze und was bekommt man?

Du musst mindestens 4% deines Bruttogehalts pro Jahr in einen Riester Renten Vertrag investieren. Maximal aber 2.100 €. Verdienst du also 50k pro Jahr sind das 2.000 € pro Jahr. Denn nur so erhältst du die Zulagen, die jetzt kommen:

Pro Person 175€ pro Jahr, pro Kind 300 € pro Jahr (wenn vor 2008 geboren 185€) und einmalig 200€, wenn Du unter 26 Jahre bist und eine Riester Rente abschließt.

Das Gute: Wenn Du z.B. ein Kind hast bekommst Du  insgesamt 475€ im Jahr. Du selbst musst dann, wenn wir das Beispiel von oben nehmen, 2.100 € – 475 € = 1.625 € im Jahr in den Vertrag zahlen. Das Gute dabei: Für dieses Geld zahlst du keine Steuern. Du kannst natürlich auch weniger in die Riester Rente einzahlen, dann bekommst du aber auch prozentual weniger von den Zulagen. Der Mindesteigenbeitrag muss aber 60€ sein, um die Vorteile zu erhalten. Soweit vereinfacht. Das Finanzamt prüft zum Ende des Jahres aber auch noch einmal, ob die Steuererstattung eigentlich höher ist, als wenn man die Zulagen erhält (sog. Günstiger Prüfung). Das kann erstmal irrelevant für dich sein, in jedem Fall erhältst du das was vorteilhafter für dich ist.

Alles was du brauchst, um die Zulagen zu erhalten ist ein Riester Produkt. Die Produkte sind gekennzeichnet. Es gibt eine große Auswahl: Von klassischen Rentenversicherungen bis hin zu Fondssparplänen (auf Basis von Aktien). Sogar Bausparen ist möglich (wenn das heute noch jemand will, das würde ich aber weniger empfehlen…). Fondssparpläne bringen natürlich mehr Rendite, aber wie gesagt – für jeden was dabei am Riester Buffet.

Ausgezahlt wird das Ganze dann als lebenslange Rente. Man kann, wenn man in Rente geht, sich auch 30% auf einmal auszahlen lassen (sofern man möchte). Versteuert wird mit dem persönlichen Steuersatz.

Für wen lohnt es sich?

Teilweise zu Unrecht wird Riester von anderen Finanzbloggern in die Ecke gedrängt mit Aussagen wie: „ETF Sparplan ist das Einzige was zählt“ – nein ist es nicht. Eine holistische und ausgewogene, individuelle Finanzplanung ist das Einzige was zählt.

Durch die Riester Rente kann man sich staatliche Vorteile sichern, die relativ hoch ausfallen können, wie ihr sehen könnt am Beispiel mit Kindern. Beim ETF Sparplan nutzt ihr euer netto Gehalt, also schon versteuertes Gehalt und legt es an. Bei den Riestern zahlt ihr keine Steuern auf die Sparsumme, d.h. ihr könnt schon einmal mehr anlegen. Das Geld wird erst in der Auszahlung besteuert. Ein wichtiger Unterschied.

Familien: Mit 3 Kindern kommt da ordentlich was zusammen – auch als Alleinerziehender. Das sollte man nicht unterschätzen, bezugnehmend auch auf die Steuervorteile in der Einzahlphase. Nicht zu vergessen auch der Steuervorteil in der Einzahlphase.

Geringverdiener: Man muss wenig einzahlen (ggf. nur den Sockelbetrag von 60€, wenn das Gehalt gering ist) und erhält dafür „viel“ Zulage in Höhe von 175€ im Jahr. Das kann sich also lohnen

Und für gut Verdienende Singles: Da lohnt es sich durch den Steuervorteil (aka Günstiger Prüfung, die ich oben genannt habe).

Das einzige Manko: Da es sich ja um größtenteils garantierte Renten handelt, müssen leider ein Teil der Beiträge immer in sehr sichere Anlagen, wie z.B. Rentenfonds, investiert werden (gesetzlich vorgeschrieben). Das ist unserem aktuellen System geschuldet. Dennoch kann ein Teil in Aktienfonds angelegt werden, wenn man sich für einen entsprechenden Riester Vertrag mit Fondssparplan entscheidet. So hat man die Möglichkeit trotzdem das erhaltene Geld mit Renditechancen anzulegen.

Ich denke, dass sich das Ganze auch in den nächsten Jahren verändert wird und der Garantieanteil schrumpfen wird und mehr in Fonds investiert werden kann – so wie in den skandinavischen Ländern. Steht z.B. schon auf der Agenda der CDU für die kommenden Jahre. Renten Revolution sozusagen . Das ist aber, wie gesagt, erstmal nur eine Vermutung von mir. Mehr dazu gibts hier.

Wie kann ich das Ganze beantragen?

Gefördertes Produkt aussuchen und abschließen und einen Antrag bei der Zulagenstelle für Altersvermögen stellen (übernimmt dann der Anbieter). Man kann eine Vollmacht für einen Dauerzulagenantrag einrichten, wenn man den Antrag nicht jedes Jahr neu ausfüllen möchte. Dann müsst ihr nur Veränderungen an euren Anbieter melden wie z.B. Kind bekommen, Heirat etc.

Fazit

Riestern wird zu Unrecht „verspottet“. Ich finde Riestern kann sich lohnen – vor allem für Familien und Geringverdienern. Als Gutverdiener würde ich es mir an deiner Stelle einfach mal ausrechnen, wie hoch die Steuerersparnis wäre, die man davon hat.

Schau, es gibt kein richtig oder falsch in dieser Hinsicht. Alles kann Vor- und Nachteile haben. Für bestimmte Bevölkerungsgruppen haben die Zulagen und Steuerersparnisse einen großen Vorteil, während sie für andere Gruppen indifferent ist.

Wenn man eine Anlage in Fondssparpläne wählt, kann man auch hier Renditechancen nutzen. Wenn man Rentenversicherungen mit konservativen Anlagen wählt, dann wird nicht unbedingt mehr aus dem Geld werden und man macht es nur für Zulagen und Steuervorteile.

Ich sehe das Ganze so: Wenn man nur riestert, verpasst man Renditechancen – ich finde dennoch es sollte einer der Säulen der eigenen Finanzplanung sein, weil man Steuervorteile und Zulagen sehr gut nutzen kann. Dann ergänzt und streut man sein Portfolio, idealerweise mit weiteren Anlagen, die zu einem selbst passen (Immobilien, Fonds, ETFs etc.). So kann man sich eine solide Altersvorsorge bauen und auch Steuervorteile im Alter bei der Auszahlung dann nutzen (Renten zu persönlichem Steuersatz, Kapitalerträge mit der Abgeltungssteuer)

Was denkst du über Riester? Hast du einen Riester Vertrag? Kommentiere gerne!

Liebste Grüße

Hava

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4 Kommentare

  1. Hey Hava, vielen Dank für deinen schönen Überblick zu Riester. Ich hab eine, die hatte ich schon beitragsfrei gestellt. Das Konzept überzeugte mich nicht, am liebsten hätte ich sie sogar gekündigt. Dann kam letztes Jahr meine Tochter zur Welt, ich bespate den Riestervertrag jetzt wieder, aber eher zähneknirschend. Ich lese oft, so richtig lohnt es sich erst ab zwei Kindern.🙄

    1. Liebe Kristin,
      danke für dein Kommentar – das freut mich sehr :-)! Man müsste sich das mal individuell ansehen – wie geschrieben kommt es auch auf den Riester Vertrag an. Wenn Du eine Rentenversicherung mit hohen Garantien gewählt hast, müsste man mal schauen, ob man nicht zu einem Riester Fondssparplan übergehen könnte – das würde sich renditeseitig mehr lohnen (je nachdem auch welche weiteren Anlagen du hast :-)).
      Man kann auch weniger als die 4% einzahlen (mindest aber die 60€) – dann werden die Zulagen anteilig berechnet. Könnte man sich in deinem Fall auch mal ansehen und durchrechnen.
      Ich hoffe das hilft dir – sonst melde dich gerne nochmal.

      Liebe Grüße
      Hava

      1. Sehr nett aufgearbeiteter Artikel, allerdings halte ich Kristins Zähneknirschen für sehr berechtigt, was ich gerne ausführe:
        1. Counterparty risk. Wie zuverlässig sind heutige Zusagen und kann man den Counterpart ernsthaft belangen?
        2. Jedem sollte klar sein, daß Rentenfonds keine Rendite abwerfen. Solange es den Euro gibt, wird es in der Eurozone keine positiven Realzinsen mehr geben. Staaten und Unternehmen sind heillos überschuldet bei gleichzeitig sinkender Wettbewerbsfähig. Bei auch nur 2% Zinsen bräche das Schulden-Kartenhaus zusammen.
        Spätestens seit WireCard sollte jeder Wissen, daß auch Aktien im “Riester-Depot“ nach hinten losgehen können. Siehe auch Enron.

        Riester mag besser sein als nichts zu tun, als verlässlich würde ich es aber nicht bezeichnen.

        Trotzdem alles Gute,

        Irina

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