5 Dinge, die Du dir in deinen 20ern sparen kannst

Sparen in den 20ern

Wir Menschen neigen oft dazu uns Dinge zu kaufen, die wir uns eigentlich gar nicht leisten können. Studien zeigen: 2018 wurden allein in Deutschland Konsumkredite in Höhe von 233,7 Milliarden € vergeben. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2019 des IPSOS für Bankenfachverband zeigt: Jeder Dritte nutzt mindestens eine Finanzierung. Die am häufigsten verwendete Finanzierungsform ist der Ratenkredit, gefolgt vom Dispo.

Warum wir unseren Konsum finanzieren

Die durchschnittliche Kreditschuld im Alter von 20 bis 34 Jahren nimmt dabei stetig zu, obwohl in diesem Alter doch meist der Jobeinstieg gelingt und erste „größere“ Geldeingänge auf dem eigenen Konto zu verbuchen sind. Wie passt das zusammen? Lass uns dem Thema mal gemeinsam und ehrlich auf den Grund gehen:

Erster Job, erstes Gehalt – endlich Geld verdienen. Du freust Dich über deine neuen Aufgaben und willst jetzt so richtig ins Berufsleben und in der Karriere durchstarten. Weil Du als Student den Monat immer ganz genau kalkulieren musstest, bist Du froh, Dir endlich auch mal was ohne schlechtes Gewissen zu gönnen.

Oft hat man klare Vorstellungen, wie das Leben als berufstätiger Erwachsener aussehen sollte: Eigene Wohnung, eigenes, neues Auto, schick Essen gehen und hochwertige Marken-Kleidung im Schrank – damit dich eben auch jeder ernst nimmt und man merkt, dass du im „echten“ Leben angekommen bist. Diese Vorstellungen bilden sich meist unbewusst in unseren Gedanken, weil wir sie von anderen Personen (wie beispielsweise unserer Familie, Freunden, Social-Media-Influencern etc.) vorgelebt bekommen. Das macht die Sache etwas komplizierter. Man hinterfragt weniger, ob man diese Dinge persönlich wirklich benötigt und ob sie zu unseren eigenen Bedürfnissen und Lebensstil passen. Und: Das kann man niemanden übelnehmen, denn man hat nicht unbedingt gelernt, gesellschaftliche „Lebens Standards“ zu hinterfragen.

Weil viele glauben, die Dinge zu brauchen, verschulden sich junge Menschen teilweise sehr hoch. Die Studie zeigt eine durchschnittliche Konsumkreditschuld von 10.793 € mit jährlich steigender Tendenz. Die Finanzierungen werden laut Studie am häufigsten dafür genutzt, sich ein Auto zu kaufen, gefolgt von Unterhaltungselektronik, Möbeln, Kleidung, Schmuck und Urlaub. Also in erster Linie, um Konsum zu finanzieren.

Das Problem an dieser Situation: Zum einen wird der falsche Umgang mit Geld gelernt, denn man kauft sich Dinge, die man heute konsumiert, sich aber erst morgen leisten kann. Der Effekt „Ich kann alles sofort kaufen auch wenn ich es mir in diesem Moment nicht leisten kann“ kann sich im Kopf verankern. Zum anderen natürlich die hohen Zinsen dieser Finanzierungsarten. Ratenzahlungen und Dispokredite schlucken Zinsen, damit wird dein Kauf gestern heute viel teurer.

Deshalb möchte ich dir heute meine Alternativen zu den vermeintlichen “Investments”, für die junge Leute erhebliche Finanzierungen in Anspruch nehmen, mit dir teilen. Die machen mindestens genau so viel Freunde, schonen dabei deinen Geldbeutel und schulen einen guten Umgang mit Geld.

Alternativen zu den vermeintlichen „Must – Haves“ in den 20ern

1.     Das erste eigene Auto

Ein eigenes Auto kann ein richtiger Geldfresser sein. Zusätzlich zu den Anschaffungskosten fallen regelmäßige Kosten an wie Versicherung, Steuern, Reifenwechsel, Reparaturen, Wartungen und natürlich auch das Tanken. Auch indirekte Kosten fallen an, wie beispielsweise ein Stellplatz, der bezahlt werden muss. Das Auto kostet also viel Geld und zusätzlich auch Zeit denn, um alle aufgeführten Belange muss man sich regelmäßig kümmern. Das schlimmste bei diesem Investment ist aber der Wertverlust des gekauften Autos. In der Regel bekommt ihr sehr viel weniger für euer Auto, als ihr zu Beginn bezahlt habt. Als „Investment“ kann man ein Auto entsprechend nicht direkt bezeichnen.

Sind wir mal ehrlich – wenn du in der Stadt lebst und einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad von A nach B kommen kannst, dann brauchst Du wahrscheinlich eher kein Auto. „Aber all die Wochenendtrips an den See und in die Berge – dafür brauche ich es“. Für all die Fälle, in denen Du ein Auto brauchst, gibt es viele Möglichkeiten eines bei verschiedenen Car-Sharing Anbietern zu leihen.

Quelle: ADAC

Der Vergleich zeigt, dass sich CarSharing Anbieter im Vergleich zu den insgesamt Eigenfahrzeug Kosten bis zu 5.000 km definitiv lohnt.

Es gibt natürlich immer Ausnahmen: Wer das Auto allerdings für tägliche und längere Strecken benötigt, fährt kostentechnisch natürlich besser mit einem eigenen Fahrzeug. Hier sind wir wieder bei dem Thema: Wirklich eigene Notwendigkeiten/Bedürfnisse zu erkennen. Bis zu 127€ und enorm viel Zeit für die Pflege eines eigenen Autos kannst Du pro Monat mit z.B. mit Car Sharing Anbietern sparen.

Also in jedem Fall eine Überlegung wert 🙂

2.     Das neuste Handy

Der zweite Finanzierungsgrund gefolgt nach dem Auto: Unterhaltungselektronik. Darunter fallen natürlich Dinge wie iPhones, Playstation, Macbooks, AirPods usw. Ein Smartphone ist mittlerweile essentiell für jedermann. Das ist auch in Ordnung, was aber verrückt ist: Wir bewegen uns hier in sehr unterschiedlichen Preisklassen. Der Druck bei den großen Anbietern wie Apple und Samsung ist groß, es kommen ständig neue und bessere Handys auf den Markt, die das alte Unnütz erscheinen lassen. Das neuste iPhone kostet aktuell mindestens 1.000€. Dabei wurde das nächste und dessen Features schon bekannt gegeben. Also eigentlich schon wieder alt. Dadurch entsteht ein großer Druck permanent die neusten Gadgets zu besitzen, obwohl sie vielleicht gar nicht notwendig sind?

Sei ehrlich zu Dir selbst: Brauchst du wirklich das neuste iPhone oder Samsung Flip Handy oder tut es auch eine ältere Generation für Dich? Am besten an einfachen, objektiven Kriterien. Wenn diese sagen: Ja ich brauche es, weil ich viel damit arbeite, Influencer bin, immer tolle Bilder machen muss und Feature XY brauche: Kauf es dir! Wenn nicht, dann kauf es dir nicht, nur weil alle eins haben.

In jedem Fall: Es gibt viele Möglichkeiten Handys günstiger zu erwerben, indem man beispielsweise recycelt und ein gebrauchtes Handy kauft. Oft sind hier auch noch Garantieleistungen enthalten, da die neusten Handys ja schneller als alle zwei Jahre auf den Markt kommen ;-). Eine weiter Möglichkeit ist 2 – 3 Vorgängermodelle zu kaufen, die mit Launch eines neuen natürlich deutlich günstiger sind.

Was ich mache: Zu Beginn meines Arbeitslebens hatte ich noch ein iPhone 6, dass ich schon 2 Jahre hatte parallel zum Geschäftshandy genutzt. Nach ein paar Monaten war mir persönlich das Ganze zu kompliziert, deshalb habe ich alles in eins vereint und nutze mein Geschäftshandy seitdem auch privat. Mein Arbeitgeber erlaubt das – frage nach, wenn es eine Option für dich ist. Meistens wird einem das schon Beginn kommuniziert. Seitdem gebe ich bis dato erstmal kein Geld aus für ein Handy. Mein altes iPhone 6 hat meine Mama seit über 3 Jahren und es funktioniert noch einwandfrei 😉

3.     Die erste eigene Designerhandtasche

Ein weiterer Grund wofür Finanzierungen in Form von Raten und Dispo in Anspruch genommen werden: Designer Handtaschen…

Der erste Job – sich mal richtig was gönnen, ernst genommen werden, ein Statement setzen. Was gibt’s schöneres, als das mit deiner ersten Designer-Handtasche, die du von deinem eigenen Geld gekauft hast, zu zeigen. Wenn du einer Designer Handtasche nicht widerstehen kannst – gar nicht schlimm. Ich mag auch schöne Taschen. Sehr sogar.

Wichtig ist nur:  Frage dich, ob Du die Handtasche willst, weil sie DIR gefällt und Du dir selbst etwas Gutes tun möchtest, oder ob Du denkst, dass Du sie brauchst, um irgendetwas bestimmtes gegenüber anderen darzustellen oder zu zeigen. Zweites ist der Fall? Dann heißt es: Finger weg – ein von der Gesellschaft vorgegebenes „Investment“, ist nichts für Dich und dein hart erarbeitetes Geld. Das Geld kann man sicherlich anders besser investieren. Möchtest Du dir aber gerne eine Designerhandtasche kaufen, weil sie dir persönlich gefällt? Sehr schön! Dann solltest du als Alternative unbedingt Second Hand Designerhandtaschen in Betracht ziehen. Hier gibt es verschiedene Online-Anbieter wie rebelle.com, Vestaire Collective oder Kleiderkreisel, aber auch Offline in gepflegten Second Hand Boutiquen in deiner Stadt. Die Artikel sind meistens kaum getragen und für einen Bruchteil des Neupreises zu haben. Gleichzeitig tust du etwas Gutes für die Umwelt und deinen Geldbeutel!

Kostenersparnis: kommt auf die Handtasche an, aber im Schnitt bis zu 70% des Originalpreises. Das heißt du brauchst dafür keine Finanzierung mit teuren Zinsen aufnehmen, sondern kannst dein Sparziel einfacher erreichen und dir trotzdem einen Wunsch erfüllen, sofern dir sowas wichtig ist. Das lässt sich auf Uhren und Designerklamotten übertragen.

4.     Reisen / Urlaub

Ein weiter Grund für externe Finanzierungen: Urlaub. In Zeiten von Corona fällt das nun natürlich für viele erstmal flach. Auch hier das Problem: Man wird von allen Seiten mit schönen Urlaubsbildern überflutet, Freunde fragen ob man nicht dieses Jahr gemeinsam nach Bali möchte und ganz schnell befindet man sich in der Situation: Wie soll ein meinen Urlaub finanzieren, ich möchte doch gerne mit, auch wenn ich es mir aktuell nicht leisten kann.

Urlaub kostet Geld und meist nicht wenig Geld. Und es macht natürlich Spaß. Ich reise auch sehr, sehr gerne. Trotzdem denke ich: Wenn ich meinen Urlaub über einen Kredit finanzieren muss, kann ich ihn dann wirklich genießen? Jede zukünftige Lohnabrechnung wird mich an den (teuren) Urlaub erinnern und sparen für den nächsten Urlaub wird wieder schwierig, weil man den Alten noch abbezahlt und Zinsen on Top kommen. Meist sind Instagram Urlaubsziele auch schon so oft fotografiert und gepostet worden, dass man eigentlich nichts neues mehr sieht, wenn man dann wirklich selbst in Mitten der Szenerie steht.

Trau Dich Alternativen auszuprobieren: Spätestens in Pandemie Zeiten hat man gemerkt, wie schön es auch zu Hause sein kann. Man kann auch Urlaub zu Hause machen und seine Gegend neu erkunden, Radtouren machen, Wandern gehen und einen ganzen Nachmittag im Café oder Stadtpark verbringen. Es gibt vor Ort viele schöne Flecken und wenn man doch wegfahren möchte, gibt es günstige Möglichkeiten Urlaub in der Region zu machen und damit nicht den eigenen Geldbeutel über zu strapazieren. Manche entspannen sich beispielsweise auch, wenn sie an eigenen Projekten arbeiten. Auch das kannst Du während deines Urlaubs machen.

Lass Dich nicht verunsichern und bleib kreativ. Wenn Du eine Reise wirklich gerne machen willst, dann überleg Dir, wie du sie gut umsetzen kannst und sie selbst finanzieren kannst. So macht es doppelt Spaß, auch wenn es vielleicht ein Ticken länger braucht, bis Du das Ziel erreicht hast.

5.     Die erste eigene Wohnung

Tschüss WG Leben – endlich Geld und eine eigene Wohnung! Wohnen macht meist den größten Block deiner Ausgaben aus und kann in Städten wie Hamburg oder München unglaublich zu Buche schlagen.

Alleine zu Wohnen ist zusätzlich dazu meist noch teurer und man wohnt auf kleinerem Raum. Die Nebenkosten wie Internetanschluss oder Stromkosten musst Du alle selbst tragen. Deshalb frage Dich: Brauche ich wirklich eine eigene Wohnung und lohnt sich das überhaupt, wenn ich den ganzen Tag unterwegs und im Büro bin?

Deshalb macht es Sinn, wenn eine gute Freundin oder Freund in der gleichen Stadt wohnt, in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Ihr habt mehr Platz, könnt euch eine schönere Wohnung leisten und zusätzlich spart ihr Geld, indem ihr euch die Kosten teilt. Eine WG mit Menschen, die sich im gleichen Lebensabschnitt wie ihr selbst befinden (zum Beispiel Berufsleben), kann hilfreich sein, da sich diese Personen einen ähnlichen Tagesplan und gleiche Interessen wie ihr selbst haben.

Eine eigene kleine Wohnung in München kostet warm um die 900 €. Ein schönes WG Zimmer in einer Zweier WG, kann man schon mit 600-700 € finden.

Fazit

Überlege gut, welche Dinge Du in deinen 20ern wirklich brauchst und nutzt und welche nur unnötig Geld schlucken. Wie Du sehen kannst, gibt es für jede gesellschaftlich, vermeintliche ,,Must-Have“-Investition deiner 20er einfache Alternativen, die Du nutzen kannst. So brauchst Du keine teure Finanzierung nutzen und kannst sogar Geld sparen. Natürlich sollst Du dabei nicht vergessen, dein erstes eigen verdientes Geld gebührend zu feiern und Dir Dinge zu gönnen – das gehört zum Leben schließlich auch dazu! Wichtig ist nur: Hinterfrage, was Du selbst wirklich brauchst und welche kreativen Alternativen es stattdessen geben könnte.

So vermeidest Du Konsumschulden in jungen Jahren und kannst gleichzeitig deine Ersparnisse anlegen, um mehr aus deinem Geld zu machen.

Was meinst Du? Kommen alternative Formen in Frage für Dich? Hast Du andere Alternativen? Dann teile sie gerne in der Kommentarbox 🙂

Liebste Grüße

Hava

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8 Kommentare

  1. Sehe die Punkte genauso, nutze auch kein eigenes Auto mehr sondern Emmy, Sharenow, Lime etc.
    Beim Urlaub muss ich dir widersprechen, Reisen sind Lebenserfahrungen. Fremde Länder und Kulturen zu erleben ist doch eines der sinnvollsten Dinge die man im Leben machen kann. Für mich zumindest 🙂 Backpacking kostet ja auch nicht die Welt

    1. Danke für deinen Kommentar :-)! Ich sehe das 1:1 wie du und verzichte nicht auf Urlaub – es geht hier in erster Linie darum, sich keine Ratenkredite oder Dispokredite für die Finanzierung eines Urlaubs in Anspruch zu nehmen. Die Alternative ist: Weniger häufig zu gehen und zu sparen und dafür auch mal Urlaub in der Region zu machen. Ich persönlich glaube ich würde mein Urlaub nicht genießen können, wenn ich wüsste, dass man danach noch den Urlaub abbezahlen muss. Backpacking ist günstig, ja – oft scheitert es ja aber an den teuren Flügen…

      Am Ende ist Urlaub auch eine Art von Konsum, wahrscheinlich aber die bessere Art von Konsum, für die man meiner Meinung nach keine Schulden mit hohen Zinsen auf sich nehmen sollte.

  2. Hi Hava,
    schöner Artikel, der das Problem “von heute” gut zusammenfasst. Es ist quasi eine Kombination aus falsch gelerntem Umgang mit Geld und dem unglaublich einfachen Zugang zu Krediten (Stichwort 0%-Finanzierung), sodass schon viele junge Menschen in die Schuldenspirale geraten. Da hilft nur Aufklären auf allen Kanälen 😉
    Die Frage nach der Notwendigkeit von bestimmten Anschaffungen sollte man sich immer wieder vor Augen halten. Kaufe ich etwas, weil ICH daran Freude habe, oder kaufe ich etwas, weil ich mich von einem sozialen Druck beeinflussen lasse.

    Liebe Grüße Anna

  3. Ich denke auch, dass Urlaub unbedingt sein sollte und auf diese Weise wertvolle (emotional rentable) Erlebnisse entstehen. Wie oben schon kommentiert geht das ja auch recht günstig, bzw. erlebt man oft sogar erst dann wirklich viel, wenn man mit Absicht den günstigen Weg wählt (Hostels statt Hotels etc).

  4. Hi Hava,

    sehr guter Blog. Ist bei der Unterhaltungselektronik nicht Arbeitnehmer mit Atbeitgeber verwechselt?

    Liebe Grüße

    Christian

  5. Hi Hava,
    sehr schöner Artikel! Ich find’s auch super wichtig, dass wir uns das alles immer mal wieder in Erinnerung rufen – schließlich ist unsere Gesellschaft auf Konsum ausgerichtet und Konsumkredite sind für viele schon normal geworden :-S
    Also mach weiter so! 🙂
    Liebe Grüße
    Laura

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