Geld geschenkt vom Chef: Vl-Sparen

Vl-sparen

Jeden Monat Geld vom Arbeitgeber zum Anlegen geschenkt bekommen? Das gibt es tatsächlich, auch bekannt unter dem sogenannten Vl-Sparen. Das Besorgnis-erregende dabei ist jedoch, dass die meisten überhaupt nichts davon wissen. Als ich noch bei meinem früheren Arbeitgeber gearbeitet habe, wussten das leider auch nur die Wenigsten. Das Antragsdokument lag ganz weit hinten und unscheinbar im Intranet und wurde nur von sehr wenigen Mitarbeitern mit Aufmerksamkeit überhäuft – was schade ist, denn wann bekommt man schon einfach so mal Geld geschenkt von seinem Chef?! Aber: Finanzielle Bildung macht frei und handelbar. Lass uns gemeinsam ins VL Sparen abtauchen, sodass Du idealerweise schon gleich morgen den Antrag stellen kannst :-).

Eine Zeitreise: Vermögenswirksame Leistungen in Deutschland

Der Gedanke, die private Initiative der Vorsorge und sozialen Sicherheit staatlich zu fördern, erfordert eine kleine Zeitreise: Zurück ins Jahr 1891. Hier wurde das Preußische Einkommenssteuergesetz ins Leben gerufen, das die Förderung privater Vorsorge Initiativen, wie das Vl-Sparen, beinhaltete.

Und so kommen wir zurück ins Jahr 2020: Ca. 20 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen (VL) , trotzdem nutzen aber rund sieben Millionen diese Leistung überhaupt nicht. Warum? Weil viele schlicht und ergreifend leider nicht wissen was das ist und wie genau die Förderung funktioniert.

Wie Vl-Sparen funktioniert

Vermögenswirksame Leistungen sind staatliche geförderte Maßnahmen und zusätzliches Geld, das man als Angestellter von seinem Arbeitgeber quasi geschenkt bekommt, um es zum Sparen bzw. zum Vermögensaufbau zu nutzen. Das heißt das zusätzliche Geld hat auch nur diesen einen Zweck, wofür es eingesetzt werden kann. Dein Arbeitgeber überweist den Betrag direkt in die Anlage, die du gewählt hast (welche das sein können, schauen wir uns gleich an). Der Höchstbetrag den Du in verschiedene Anlagen investieren kannst liegt dabei meist bei ca. 40€ monatlich. Das macht dein Arbeitgeber freiwillig, deshalb kann der Betrag hier variieren – je nach firmeninternen Regelungen. Bezüglich der Betragshöhe solltest Du hier am Besten bei der Personalabteilung nachfragen.

Zusätzliche Staatliche Förderung – Die Arbeitnehmersparzulage

So und nun kommt noch eins oben drauf: Wenn Du ein geringes zu versteuerndes Einkommen hast, bezuschusst der Staat diese Leistung zusätzlich – Toll oder? Wichtig: Nicht Bruttoeinkommen sondern zu versteuerndes Einkommen – also das was ihr tatsächlich nach der Steuererklärung von eurem Gehalt versteuern müsst. Wie die Höhe der staatlichen Förderung ausfällt hängt zusätzlich von der Anlageform ab. Inder Tabelle findest Du die Auflistung:

Anlageform
Förderungsgrenzen (jährliches zu versteuerndes Einkommen)
Single vs. Ehepaare
Höhe der jährlichen Förderung
Sparplan für Aktienfonds20.000 € / 40.000 €20 % (max. 400 €)
max. 80 €
Tilgung Baukredit17.900 € / 35.800 €9 % (max. 470 €)
max. 43 €
Bausparvertrag – “klassisch”17.900 € / 35.800 €9 % (max. 470 €)
max. 43 €
Bausparvertrag – “Bauprämie”25.600 € / 51.200 €8,8 % (max. 512 €)
max. 45 €
VL nicht angerechnet
Banksparplankeinekeine
Quelle: § 1 5. Vermögensbildungsgesetz, § 2a Wohnungsbauprämiengesetz (Stand: 30. Juli 2018)

Welche Anlageformen kann man für Vl-Sparen wählen?

In der oberen Tabelle sind die Möglichkeiten für Anlageformen der VL Beträge aufgelistet. Du kannst also je nach zu versteuerndem Einkommen, Risikobereitschaft und Anlageziele zwischen einem Fondssparplan, die Tilgung eines Baufinanzierungskredits, Bausparvertrag oder einem Banksparplan wählen.

Mögliche Anlagen, die du dafür besparen kannst, werden als VL fähig gekennzeichnet. Es gibt auch ETFs, die VL fähig sind und die ihr eventuell sogar über euer bestehendes Depot besparen könnt. Eine Übersicht von VL-fähigen ETFs findet ihr hier. Wenn ihr andere Anlageformen sucht wie einen aktiven Fonds oder Bausparvertrag lohnt sich eine Recherche oder man geht auf einen unabhängigen Finanzberater zu, der euch an dieser Stelle super unterstützen kann – auch bei den Anträgen.

Wie sieht es mit der Laufzeit aus?

Normalerweise zahlt man in die gewählte Anlageform 6 Jahre ein. Dann folgt eine Ruhephase bis zum Ende des Kalenderjahres. Das bedeutet, dass Du nach ca. 7 Jahren über das komplett angesparte Geld inkl. der Zinseszinsen bzw. Rendite frei verfügen kannst. Man kann bereits nach 6 Jahren auch nahtlos mit der Besparung eines neuen VL-Sparplans beginnen.

Eigenes Aufstocken ist möglich & kann sich lohnen

Wenn Du dich nun erkundigst und herausfindest, dass du nur einen Teil vom Arbeitgeber von den möglichen 40€ pro Monat erhältst, lohnt es sich diese auf den Betrag aufzustocken. Denn so kann man die maximale staatliche Förderung nutzen, wenn man Anspruch auf diese hat (entsprechend der Tabelle). Steuerlich gesehen steigert man mit dem VL Betrag vom Arbeitgeber das Bruttogehalt, das heißt dein zu versteuerndes Einkommen erhöht sich minimal und das Nettogehalt verringert sich in wenig – aber nicht in dem Maße, wie wenn Du das Geld von deinem Nettogehalt anlegen würdest – hier also definitiv auch ein steuerlicher Vorteil für dich.

Ein Beispiel für Vl-Sparen

Angenommen dein Arbeitgeber fördert einen Betrag von 20€ monatlich für das Vl-Sparen. Du beschließt nun den Betrag in einen Aktien-Fonds Sparplan anzulegen und gibst nochmal 20€ selber drauf. Das bedeutet monatlich zahlst Du 40€ in diesen Fond. Das sind 480€ pro Jahr. Wenn Du jetzt ein zu versteuerndes Einkommen von unter 20.000 € pro Jahr hast, dann kriegst du vom Staat nochmal 80€ pro Jahr oben drauf. (Weil Du 480€ einzahlst, bekommst du nur 20% auf 400€ angerechnet, da der Staat das als Grenze nimmt. So kommt man auf 20% * 400€ = 80€). Die staatliche Förderung ist also super interessant für zum Beispiel Azubis, Werkstunden, Minijobber, Teilzeitkräfte und Co. Also: Unbedingt Nachfragen, denn Fragen kostet erstmal GAR NICHTS.

Wie Du Vl-Sparen beantragst und damit beginnst

So: Du hast dich in der Personalabteilung informiert, einen VL Vertrag abgeschlossen – Prima! Dann musst Du deinem Arbeitgeber nun eine Bestätigung über den Vertrag vorlegen. Dein Arbeitgeber zahlt Dir dann den monatlich zugesagten Betrag direkt in den Vertrag ein. Das Geld fließt also nicht auf dein Konto sondern direkt in den besparten Fonds oder Bausparvertrag.

Und ja, über 7 Jahre kann da ordentlich was zusammenkommen – Stichwort Zinseszins. Aus geschenktem Geld wird quasi noch mehr Geld – wie wunderschön! So lieben wir es doch alle.

Die staatliche Förderung (Arbeitnehmersparzulage) kann im Mantelbogen der Einkommensteuererklärung beantragt werden. Das Finanzamt überweist dann nach der siebenjährigen Sperrfrist den zustehenden staatlichen Förderungsbetrag.

Fazit

Wie Du sehen kannst, ist Vl-Sparen gar nicht so kompliziert. Einfach zur Personalabteilung gehen, nachfragen und dann eine entsprechende Anlage alleine, oder mit einem Finanzberater des Vertrauens aussuchen. Ggf. selber aufstocken, über sieben Jahre konsistent einbezahlen und steuerliche Vorteile & Zinseszins nutzen.

Nimmst du Vl-Sparen von deinem Arbeitgeber schon in Anspruch? Wenn ja, worin investierst Du dein Geld? Welche Erfahrungen hast Du mit VL Sparen gemacht? Ich freue mich über deine Meinung!

Liebste Grüße

Hava

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2 Kommentare

  1. Sehr schön erklärt. Solange der Arbeitgeber nur einen geringen Anteil zahlt, klingen vermögenswirksame Leistungen schöner als sie sind. Oftmals lassen Bankprodukte in ihrer Performance doch stark zu wünschen übrig, satte Gebühren fallen trotzdem an. Wer dann noch zwischendurch mit Jobwechsel oder ähnlichem zu tun hat, macht VL leider dann doch deutlich unattraktiver als gedacht.

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