Der Zinseszins-Effekt: Warum sich investieren in jungen Jahren schon mit kleinen Beträgen lohnt

Zinseszins-Effekt

Viele von uns haben den Begriff des Zinseszins-Effekts schon einmal gehört, kennen ihn vielleicht auch, aber wissen nicht wie sie ihn für sich nutzen können. Sehr häufig bekomme ich zu hören:

„Hava – ich kann jetzt kein Geld sparen und anlegen, ich verdiene im Moment noch viel zu wenig, aber in 10 Jahren geht bestimmt mehr. Außerdem lohnt sich das ganze bei Mini Beträgen gar nicht.“

Ein Glaubenssatz, der sehr verbreitet ist und mit dem ich gerne aufräumen würde. Langfristig gesehen lohnt sich das Investieren für z.B. die Altersvorsorge vor allem in jungen Jahren, weil Du hier den Zinseszins-Effekt für Dich nutzen kannst. Wie genau das funktioniert, was dahintersteckt und wie das ganze praktisch aussieht, zeige ich Dir in diesem Blog-Beitrag.

Was ist der Zinseszins-Effekt?

Hinter dem Konzept des Zinseszins-Effekt verbirgt sich das Konzept mit angelegtem Geld, weiteres Geld zu verdienen. Also arbeitet dein Geld quasi für Dich und Du nicht für das Geld ;-). Schauen wir uns das Ganze an einem kleinen Beispiel an:

Angenommen du hast 100€, die du im ersten Jahr anlegst. Für das angelegte Geld erhältst Du 4% Zinsen pro Jahr.

Nach einem Jahr gehst Du nun zur Bank und siehst: ,,Super – 104€ auf dem Konto!“. Jetzt gibt es zwei Wege, die du gehen kannst.

1. Du nimmst das Geld vom Konto:

Du bist happy, dass du ohne was zu tun 4€ verdient hast und nimmst das Geld von deinem Konto und gibst es aus – Du nutzt den einfachen Zinseffekt.

2. Du lässt es auf deinem Bankkonto und wartest noch ein paar Jahre ab

Was passiert dann? Die 104€ verzinsen sich erneut und am Ende des 2. Jahres hast du 108,16€ – das heißt ein klein wenig mehr Rendite als im 1. Jahr (4€ vs. 4,16€). Nun hast du Blut geleckt und lässt deine Anlage noch ein Jahr liegen:

Jahr 3: 112,49€ – wieder steigt der erhaltene Zinsbetrag (ganze 4,33€).

Du nutzt den Zinseszins-Effekt. Je länger der Anlagezeitraum und höher der Zinssatz, desto stärker der Effekt. Darüber hinaus kann der Zeitpunkt der Zinsauszahlung eine Rolle spielen, dadurch ändert sich der effektive Zinssatz.

Irgendwie schön, wenn das Geld für einen arbeitet. Sogar Albert Einstein bezeichnete den Zinseszins-Effekt als das „Achte Weltwunder“.  

Wie nutzt Du den Zinseszins-Effekt für Dich?

Gerne möchte ich Dir an Beispielen zeigen, was der Zinseszins Effekt zum Beispiel im Rahmen deiner Altersvorsorge für Dich leisten kannst – ohne dass Du viel tun musst.

Nehmen wir ein klassisches Beispiel nach dem Motto: ,, Puh, ich kann noch nichts investieren und Sparen – dafür verdiene ich zu wenig Geld. Aber mit 40, wenn ich schon länger im Beruf bin, ist das einfacher.“

Sagen wir Du bist 40 Jahre alt und möchtest Dich nun um deine Altersvorsorge kümmern, weil du jetzt endlich genug Geld verdienst, um etwas zur Seite zu legen.

Wir nehmen folgendes an:

Du investierst nun 100€ pro Monat bis zu deinem Renteneintritt mit 65
Dein Anlagehorizont beträgt also 25 Jahre  
Du investierst z.B. in einen ETF, der dir 6% Zinsen jährlich abwirft
Die Gesamtinvestition beträgt: 25 Jahre * 12 (Monate) * 100€ = 30.000€  
Du nimmst vorher kein Geld raus.  
Zinseszins-Effekt

Mit Renteneintritt stehen Dir dann ca. 70.000€ durch den Zinseszins-Effekt zur Verfügung – nicht schlecht. Das heißt Du hast ca. 40.000€ durch den Zinseszins verdient bei einem monatlichen Einsatz von 100€ über 25 Jahre.

Lass uns nun folgende Annahme treffen:

Obwohl Du noch nicht so viel Geld verdienst wie vielleicht mit 40, entscheidest Du im Alter von 25 Jahren in deinem ersten richtigen Job, Geld für die Altersvorsorge anzulegen. Weil Du noch nicht so viel verdienst, investierst Du monatlich nur 50€ bis zu deinem Renteneintritt mit 65 Jahren.

Die Rahmenbedingungen sind analog wie oben:

Du investierst nur 50€ pro Monat bis zu deinem Renteneintritt mit 65
Dein Anlagehorizont beträgt also 40 Jahre  
Du investierst, wie im ersten Beispiel, in den gleichen ETF, der 6% Zinsen jährlich abwirft  
Die Gesamtinvestition beträgt: 40 Jahre * 12 (Monate) * 50€ = 24.000€  
Du nimmst vorher kein Geld raus.  
Zinseszins-Effekt

Mit dem Renteneintritt stehen Dir dann ca. 98.000€ zur Verfügung. Ein deutlicher Unterschied von 28.000 €, wenn Du erst im Alter von 40 anfangen würdest.

Auch hier nutzt Du den Zinseszins-Effekt für Dich und erhältst mit einem Gesamteinsatz von insgesamt 24.000€ eine Rendite von satten 74.000€. Was Du bei der Geldanlage mit 25 Jahren jedoch besser nutzt als mit 40: den Faktor Zeit.

Wenn Du gerne mit anderen Werten für Dich persönlich rechnen willst, kannst Du das hier tun.

Zeit spielt eine wichtige und ausschlaggebende Rolle, um den Zinseszins-Effekt für Dich zu nutzen. Mit einem viel geringeren Geldeinsatz insgesamt, erzielst Du durch den längeren Anlagehorizont eine viel höhere Rendite, als wenn Du mehr in einer kürzeren Zeit anlegst.

Fazit:

Geht nicht, gibt’s nicht! Zu jung und zu broke für die Altersvorsorge kann man gar nicht sein. Investiere jetzt in deine Altersvorsorge – egal wie wenig Geld du im Moment sparen kannst. Denn der Zinseszins-Effekt begünstigt deine frühe Anlage selbst bei geringen Einzahlungssummen. Wenn du später mehr verdienst, kannst Du die monatliche Sparsumme immer nach oben anpassen 🙂

Am besten ist es, du erstellst Dir direkt mit deinem Berufseinstieg einen Sparplan und investierst die monatliche Summe z.B. in einen ETF oder einen anderen Fonds deiner Wahl.

Und, lässt Du dein Geld auch schon für Dich und deine Altersvorsorge arbeiten?

Möchtest Du mehr zum Thema Geldanlage in jungen Jahren mit ETFs lesen? Dann hinterlass gerne einen Kommentar 🙂

Liebste Grüße

Hava

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3 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben, Hava!
    Ich würde mich mal freuen, wenn du deine Meinung oder Einschätzung zu den Analysen auf https://www.alleaktien.de/ abgeben könntest. Sind die Analysen dort seriös, und die Empfehlungen dort?

    Die sehen sehr umfangreich aus, bin aber nicht sicher, ob das alles stimmt. Was denkst du? Kennst du die Seite?

    1. Liebe Anna-Lena,

      vielen Dank! Ich kannte alleaktien bisher nicht – ich denke aber man kann sich die ein oder andere Empfehlung mit gutem Gewissen durchlesen. Dennoch würde ich Dir empfehlen dir die Aktien lieber selber anzusehen z.b. auf finanzen.net. Gerne schreibe ich einen Artikel über die wichtigsten Kennzahlen beim Aktienkauf.
      Eine Vorgehensweise von mir: Wenn du geringe Beträge langfristig anlegen möchtest, lohnt es sich eher einen Fond mit wenig Gebühren auszusuchen (deshalb hier auch das Beispiel von ETFs). Bei Einzelaktien-Käufen zahlst du mit jeder Order eine Gebühr – das wird für geringe Beträge und einen monatlichen Sparplan meiner Meinung nach zu teuer. Zudem ist es wichtig nicht alles auf einen Hebel zu setzen, sondern sein Risiko zu streuen.

      Das sind nur Erfahrungen von mir – was das richtige Investment für Dich ist musst du am Ende selbst entscheiden.

      Ich hoffe ich konnte Dir damit weiterhelfen? 🙂

      Liebe Grüße
      Hava

  2. Hi,
    danke für den tollen Beitrag! Ich bin Anfang 20 und beschäftige mich mehr und mehr mit dem Thema Finanzen und Investment. Da ist es echt hilfreich deine Einschätzungen zu lesen – vielen Dank!
    Liebe Grüße

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